Ins Mark  Der Kommentar zur steirischen Woche

Mit Dreschflegeln und Mistgabeln

Steiermark | aus FALTER 37/13 vom 11.09.2013

Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation war ein Fleckerlteppich, aufgeteilt in Kleinstherrschaften. Selbst nachdem Napoleon das Reich zerschlagen hatte, wehrten sich die Operettenstaaten gegen eine Einigung zu einem handlichen Nationalstaat. Schaut man sich die Steiermark und ihre Gliederung in Gemeinden auf der Landkarte an, werden Erinnerungen an dieses Reich wach.

Sind Landeshauptmann Franz Voves (SPÖ) und sein Stellvertreter Hermann Schützenhöfer (ÖVP) von napoleonischem Geblüt? Sie gelten als machtbewusst und wissen ihre Reformen mit strenger Hand umzusetzen. 500 Gemeinden planen sie auf rund die Hälfte einzudampfen. Denkt man an die einstige Handlungsunfähigkeit des Sacrum Romanum Imperium, so ist dieser Idee etwas abzugewinnen. Nur wollen sich rund 120 Gemeinden diese Zwangsfusionen nicht gefallen lassen. Auch finanzielle Anreize konnten sie nicht umstimmen. Nun haben sie sich - um es historisch zu bebildern - mit Dreschflegeln und Mistgabeln bewaffnet: Sie verweigern ihren eigenen Parteien die Unterstützung im Wahlkampf. Sind die Landeskaiser zu autokratisch über die Gemeinden "drübergefahren“?

Wir werfen einen Blick zur Schwarzen Sulm. Das Umweltministerium kritisierte letzte Woche, dass es beim Beschluss zum Kraftwerksbau von den Reform-Twins übergangen wurde. Es wies weiters darauf hin, dass der Bescheid erlassen wurde, obwohl noch zwei europäische "Vertragsverletzungsverfahren“ laufen. Plötzlich staunt man gleich ein bisschen weniger, wenn auf den Plakaten der aufmüpfigen Gemeinden zu lesen ist: "Keine Stimme für die Demokratieverweigerer SPÖ und ÖVP.“


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