Doris Knecht  Logbuch

Vielleicht dann doch endlich Yoga

Kolumnen | aus FALTER 37/13 vom 11.09.2013

6.9. Plan für nächste Woche: endlich von den Emoticons loskommen. Ist aber schwierig, wenn man eine boshafte, messerscharfe Zynikerin ist, besonders, wenn man mit seinen Freunden und Freundinnen gerne auch weiterhin befreundet wäre, trotz der SMS, die man ihnen schickt. Keine Smileys mehr, keine lachenden, keine weinenden und ganz besonders keine augenzwinkernden, die sagen: Ah, die meint das gar nicht so, das meint die lustig. Plan für übernächste Woche: neue Freunde finden. Plan für überübernächste Wochen und den Rest des Lebens: vom Zynismus loskommen. Vielleicht doch endlich Yoga.

Und vielleicht auch die Fahrradhelmresistenz überdenken: schon der dritte Unfall dieses Jahr. Andererseits bin ich bei zweien davon nicht auf den Kopf gefallen, inklusive dem aktuellen, bei dem ich auf dem Weg zur Eröffnung der neuen Hartlieb-Buchhandlung nun erstmals auch von einer Autotür vom Rad geholt wurde. Es ist extrem gefährlich in der Porzellangasse. Es leben dort viele gutsituierte und gestresste Leute mit SUVs. Die SUV-Tür ging unmittelbar vor mir auf, unausweichlich, nachdem ich zuvor sehr gebremst, die Sturzgefahr immer präsent, die Berggasse hinuntergerentnert war. Und in der Ebene dann die Tür. Es ist nicht schön, wenn man weiß, dass man jetzt gleich mit dem Rad längelang auf die Straße krachen wird, und wenn einem gleichzeitig klar wird, dass man auch endlich wieder einmal Absätze unter den Füßen hat, was man erstens nach dem vorletzten Unfall sehr lange nicht hatte, weil das zweitens im Zuge eines Sturzes mit einer unangenehmen Neustrukturierung der Fußknöchelknochen enden kann. Woraus man, doch!, schon etwas gelernt hat, man hat jetzt nämlich immer flache Patscherl zum Heimradeln in der Tasche. In der Tasche, denn das war das Hinradeln, vollkommen nüchtern, direkt von der Arbeit.

Die kleine Frau in dem SUV war so untröstlich, dass ich sie nach dem ersten Schockgebrüll nicht einmal weiter anschreien wollte: Nein, nichts passiert, eh alles okay, sehen Sie, ich kann aufstehen, meine Haxen halten, da, ich kann meine Arme bewegen, meinen Kopf, es ist alles gut, nur diese kleine Abschürfung da an der Hand und vermutlich ein paar blaue Flecken, und ja: Ich weiß.

Die passt jetzt immer auf. Und die Eröffnung war dann sehr fein, und zum Heimradeln holte ich brav die Patscherl aus der Tasche. (Apropos, und weil jemand nach dem kleinen Hund gefragt hat, über den meine Mutter kürzlich mit ihrem E-Bike fuhr: Dem Hund geht’s gut. Er geht jetzt nur an einer etwas kürzeren Leine.)

8.9. In der "Ich beobachte“-Sektion zeigt mir eBay Arztkoffer, antike Puppenbeine, Kuhglocken, antiquarische Bedienungsanleitungen für technische Feinmessgeräte, alte Ansichten und Stiche von Industriehäfen, Trachtenjanker, Nuttenstiefel. Ja, das bin ich, mit Haut und Haaren, wenigstens eBay versteht mich. Hier jetzt ein Emoticon.


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