Fragen Sie Frau Andrea

Unbekannte Untergrund-Urgenz

Kolumnen | aus FALTER 37/13 vom 11.09.2013

Liebe Frau Andrea,

am Donaukanal vis-à-vis der Urania und vor dem Uniqa-Turm ist auf dem Asphalt riesig groß "U5“ zu lesen. Ist das ein Helikopterlandeplatz oder der Hinweis auf eine neue U-Bahn-Linie? Wieso gibt es eigentlich die U5 nicht?

Viele Grüße, Ihr Daniel Schrenk,

Leopoldstadt, per Smalt

Lieber Daniel,

das von Ihnen gesichtete Logo scheint sich an Passanten des stromabwärts gelegenen Gehsteigs der Aspernbrücke zu richten. In einem schwarzen, wohnzimmergroßen Feld prangt in riesigen weißen, serifenlosen Lettern das Kürzel "U5“. Die auffällige, professionell anmutende Straßenbemalung auf der linken Uferpromenade des Donaukanals hat einen wesentlich kleineren, aber ident gestalteten Graffitozwilling am Naschmarkt.

Die dem Bureau der Comandantina zugänglichen Informationskanäle versagen bei der Deutung des Graffitos. An eine (geheime) nautische Kennzeichnung für Donauschiffer könnte gedacht werden, wäre da nicht die "U5“-Bemalung am Naschmarkt. Dort pritschelt zwar auch ein Flüsschen, der Wienfluss, dieser ist aber überwölbt und ins Unterirdische verbannt. Zudem ist das Gerinne nur für Badeenten schiffbar.

Bei Interventionen dieser Art ist immer an Kunst zu denken. Eine Propagandainitiative der Stadt-ÖVP, sie ist langjährige Proponentin einer U-Bahn-Linie U5, fällt damit in den Bereich des Unwahrscheinlichen. Tatsächliche Planungen existieren, die Trasse einer zukünftigen U5 würde aber weder das eine noch das andere Graffito passieren. Eine Linie U5 würde von Dornbach über Hernals und Alser Straße kommend bei der Station Rathaus der U2 begegnen, dort deren Route bis zum Karlsplatz benützen, zum neuen Hauptbahnhof schwenken, um schließlich ins Arsenal zu führen. Die U2 würde dabei um- und teilweise neu gebaut werden, um vom Wienerberg kommend, eine Art unterirdischer 13A zu werden und auf "alter“ Strecke nach Aspern zu führen. Mit einer Realisation ist nicht vor 2020 zu rechnen, heißt es. Ältere, ursprüngliche Planungen einer Linie U5 wurden meist aus finanziellen Gründen zurückgestellt. Zu einer Ausführung kam es nicht. Als klar war, dass die Linie nicht in vollem Ausmaß realisierbar war, wurde umgeplant und Teile der Strecke wurden von anderen U-Bahn-Linien aufgeschnupft.


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