Tiere

Fliegen

Falters Zoo | aus FALTER 37/13 vom 11.09.2013

Wenn hinter Fliegen Fliegen fliegen, fliegen Fliegen Fliegen hinterher.“ Dieser schöne Satz wird fälschlich als Zungenbrecher bezeichnet, gilt aber als Beispiel dafür, wie man mit Homonymen - also gleichklingenden Worten mit verschiedenen Bedeutungen - komplizierte Sätze bilden kann. Daher wird der Satz als Begründung verwendet, wieso man im Deutschen keinesfalls auf die Substantivgroßschreibung verzichten kann und auf korrekte Beistrichsetzung Wert legen sollte. Das englische Negativbeispiel wäre: "Buffalo buffalo Buffalo buffalo buffalo buffalo Buffalo buffalo“, das übersetzt "Büffel aus Buffalo, die von Büffeln aus Buffalo eingeschüchtert werden, schüchtern Büffel aus Buffalo ein“ bedeuten soll.

Dieser einleitende Absatz wiederum ist ein Beispiel dafür, wie leicht man in einem Text über Flugformationen freilebender Fliegen vom Thema abschweifen kann. Die Fluggeschwindigkeit einer erwachsenen - also 20 Tage alten - Stubenfliege beträgt ungefähr 2,9 Meter pro Sekunde oder ca. 10 km/h. Das klingt nicht beeindruckend, aber wer schon jemals einer Fliege zu Fuß nachgejagt ist, wird das anders sehen, weil sie mit diesem Tempo auch um Kurven fliegen können. Anderen Artgenossen fliegen Fliegen jedoch niemals nach, weil man in einem maximal 42 Tage langen Leben keine Zeit mit solchen Spielchen zu verlieren hat.

1906 errechnete man die Anzahl der Nachkommen eines Paares von Stubenfliegen: Circa 5,5 Milliarden Tiere sollten demnach unsere Erde unter einer 15 Meter hohen Schicht begraben. Eine Neuberechnung nach 58 Jahren ergab aber, dass die ungebremste Vermehrung eines Fliegenpaares "nur“ eine Fläche von der Größe Deutschlands bedecken würde. Seltsam ist jedoch, dass man dieses unglaubliche Potenzial, mit dem man Mist in hochwertiges Protein verwandelt, erst jetzt begreift. Das südafrikanische Unternehmen Agriprotein züchtet seit Kurzem Stubenfliegen. Als wichtiges Futtermittel für die Produktion von Säugetierfleisch könnte es Fischmehl ersetzen und dadurch die Weltmeere vom industriellen Fischfang entlasten. Aus 65 Tonnen Blut von Schlachtabfällen kann man in nur 72 Stunden 100 Tonnen Fliegenlarven heranziehen, aus denen 20 Tonnen Trockenfutter werden.

Sollten die Fliegenmyriaden aber jemals aus so einer Fabrik entkommen, dann wird selbst der Papst zu Beelzebub, dem Fliegengott, beten.


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