Meinesgleichen

Gut für Endzeitvisionen: die Habsburgermonarchie

Falter & Meinung | aus FALTER 38/13 vom 18.09.2013

Es ist ein Hobby Ihres Autors, darauf hinzuweisen, dass die Habsburgermonarchie eine Art Vorform Europas darstellte. Unsere politischen Repräsentanten wollen so etwas nicht hören, sie sind modern und beschäftigen internationale Brandingagenturen. Das Internationale daran ist schon in Ordnung, das Gefühl, man ersetze historisches Bewusstsein vor allem durch Image und Marktgängigkeit, schon weniger, und die Idee, den Auftrag, "das Bild Österreichs im In- und Ausland zu verbessern“ (Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner) an eine Agentur auszulagern, zeugt von geradezu verzweifelter Hilflosigkeit. Man kennt das eigene Angebot nicht (oder zu gut), also lagert man dessen Anpreisung aus.

In der Neuen Zürcher Zeitung hat vor kurzem der ehemalige hochrangige britische Diplomat Robert Cooper (er beriet EU-Außen- und Sicherheitspolitik-Beauftragten Javier Solana) wieder einmal die Parallele zwischen EU und Habsburgermonarchie gezogen. Der Unterschied: Die Monarchie war ein Staat und hatte eine Armee; sie zerfiel nach einer militärischen Niederlage, und weil sie ihre vielen Völker zwar geschützt, aber auch unterdrückt hatte. Von ganz anderen Voraussetzungen als Streeck (siehe oben) ausgehend, kommt Cooper zum Schluss: "Die Währungsunion war dazu gedacht, Wohlstand zu schaffen (und gleichzeitig Deutschland enger einzubinden!). Wenn das Ergebnis wirtschaftliche Not und politische Instabilität ist, dann wird die EU das Schicksal der Habsburgermonarchie teilen.“

Quelle:

Robert Cooper: Die EU und "Kakanien“. Eine Tragödie von Aufstieg und Untergang, NZZ vom 16.9.


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