Kommentar  Korruptionsprozesse

Willst du heim, sagst du Ja, sagst du Nein, bleibst du da

Falter & Meinung | Florian Klenk | aus FALTER 38/13 vom 18.09.2013

Es wäre eine nette Geste des Justizministeriums, all jene, die nun (erstinstanzlich) zu Haftstrafen verurteilt wurden, in derselben Haftanstalt unterzubringen. Exinnenminister Ernst Strasser (vier Jahre) neben dem Lobbyisten Peter Hochegger (30 Monate), eine Zelle weiter die ehemaligen Starmanager Wolfgang Kulterer (Hypo, dreieinhalb Jahre) und Karl Petrikovics (Immofinanz, sechs Jahre). In der Anstaltsschlosserei schmiedet vielleicht Josef Martinz (fünf Jahre) mit Gernot Rumpold (drei Jahre), und ein paar Telekom- und Hypo-Manager schauen dabei zu.

Die Crème de la Crème der österreichischen Wirtschafts- und Politszene sitzt (im Falle der Rechtskraft der Urteile) bald im Gefängnis. Und vielleicht gesellen sich ja in absehbarer Zeit ein paar weitere Freunderln dazu. Stichwort Grasser.

Was lernen wir? Einige der Verurteilten haben nicht erkannt, dass die Justiz auch das Verhalten nach der Tat bewertet. Wer als Kronzeuge auspackt, geht frei. Wer als Beschuldigter ein Geständnis ablegt, kriegt nur die Fußfessel. Wer nicht bereit ist, seine kriminelle Scheinwelt zu verlassen, der sitzt jahrelang.

Das Erstaunliche an den vergangenen Korruptionsprozessen - vor allem auch jenem gegen Peter Hochegger, der vergangene Woche zu Ende ging - ist ja vor allem der Umstand, dass jeder Gerichtskiebitz vorhersehen konnte, dass die Herrschaften viel härter verurteilt werden, wenn sie mauern. Dennoch haben sie sich nicht dazu aufgerafft, die Omertà zu brechen.

Woran das liegt? An der Intelligenz vielleicht. Vermutlich auch an der Sozialisation. Sie haben in ihren Blasen nicht nur das Unrechtsbewusstsein verloren, sondern auch ihren Spürsinn für Gefahren.


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