Kinder, allet wird jut

Politik | Reportage: Ingrid Brodnig, Berlin | aus FALTER 38/13 vom 18.09.2013

Kaum zu glauben: Der deutsche Wahlkampf wird noch feiger geführt als der unsere

Ach, Sie sind aus Österreich? Toll ist das hier, nicht? Andere Länder bewundern uns, weil es uns wirtschaftlich so gut geht“, sagt Michael Wieczorek, 59, Hausmeister. Er trägt Jogginganzug und Baseballkapperl. Hier, in einer Einkaufsstraße in Berlin-Charlottenburg, findet gerade Wahlkampf statt, wenige Schritte entfernt verteilt die SPD Flyer und Kugelschreiber. Wieczorek weiß aber schon, wen er wählen wird. Der Mann senkt die Stimme, damit ihn die roten Wahlkampfhelfer nicht hören. Dann sagt er leise: "Ne, nicht die SPD. Ich wähle die CDU. Frau Merkel ist doch hervorragend.“

Der Mann Ende 50 ist exemplarisch für viele deutsche Wähler: Er fühlt sich zufrieden, ist froh, dass er in Deutschland und nicht irgendwo anders lebt. Dabei ist der Mann im Jogginganzug wahrhaft kein Modernisierungsgewinner: Der Hausmeister hat einen sogenannten Minijob, das sind maximal 450 Euro im Monat abschlagsfrei. Ob


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