Wieder gelesen  Bücher, entstaubt

Der andere 11. September

Politik | Wolfgang Zwander | aus FALTER 38/13 vom 18.09.2013

Vor dem 11. September 2001, als zwei Flugzeuge in das World Trade Center krachten, hatte es bereits ein anderes 9/11 gegeben, das die Welt traumatisierte. Vor 40 Jahren, am 11. September 1973, putschte in Chile das Militär unter General Pinochet mit US-Hilfe gegen Salvador Allende, den demokratisch gewählten Präsidenten des Landes, der sich daraufhin erschoss.

Als der Großbürgersohn Allende 1970 gewählt wurde, versprach er, "die politische Freiheit zur sozialen Freiheit“ weiterzuentwickeln. Privateigentum wurde über Nacht antastbar; Allende machte sich an die Verstaatlichung wichtiger Wirtschaftszweige. Der Präsident war aber kein Diktator, er hielt sich an die Verfassung und wollte den Sozialismus demokratisch aufbauen.

Diese Politik stieß auf massiven Widerstand vonseiten der rechten Opposition und großer Teile des Bürgertums, das um seine Privilegien und um die Stabilität im Lande bangte. Aber auch Allendes Alliierte waren dem Präsidenten keine große Hilfe. Das zeigt das Buch "Santiago, 11. September“ von Peter Overbeck. Der in Deutschland geborene Autor emigrierte in den 1950er-Jahren nach Südamerika, wo er als linker Politaktivist lebte; ab 1971 war er in Chile und schloss sich dort Allendes "Volksfront“ an. Dieser linke, bunt durchmischte Regierungsblock stritt so lange über den "richtigen Weg“ zum Sozialismus, bis Pinochets Panzer auffuhren. Overbecks Buch ist ein Zeitdokument, das Progressiven in vielerlei Hinsicht eine Mahnung sein muss.

Peter Overbeck: Santiago, 11. September. Nautilus, 256 S., € 20,50


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