Nachgetragen  Journal mehr oder weniger bedeutender urbaner Begebenheiten

Kartenverkäufer als Terroristen gejagt: Austrotürken im Visier

Politik | Wolfgang Zwander | aus FALTER 38/13 vom 18.09.2013

Rund um zwei türkische Staatsbürger, die in der Justizanstalt Josefstadt einsitzen und denen die Auslieferung nach Deutschland droht, spielt sich seit Wochen ein Drama ab.

Yusuf Tas und Özgür Aslan leben seit vielen Jahren unbescholten in Wien und werden von den deutschen Behörden beschuldigt, Mitglieder einer terroristischen Vereinigung in der Türkei zu sein, was in Deutschland mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft wird (Paragraf 129b).

Um ihrer Auslieferung zu entgehen, sind Tas und Aslan seit mehr als 40 Tagen im Hungerstreik. Laut Gericht nehmen sie Flüssigkeit zu sich und sind in ärztlicher Behandlung.

Bei Tas hat das Oberlandesgericht (OLG) Wien die Auslieferung bereits für rechtens erklärt, bei Aslan steht ein OLG-Entscheid noch bevor. Was haben die beiden gemacht, dass sie unter Terrorismusverdacht stehen?

Die deutschen Behörden werfen ihnen keine Gewalttaten oder Ähnliches vor; sie sollen angeblich Geld gesammelt haben, das in der Türkei in die Kassa von Terroristen geflossen ist. So hätten die beiden etwa 2012 Karten für ein Konzert der türkischen Band Grup Yorum verkauft. Grup Yorum zählt zu den populärsten Musikgruppen der Türkei; sie spielt Konzerte, die von mehr als einer halben Million Menschen besucht werden. Grup Yorum sind aber auch Teil einer politischen Gruppierung, die mit einer marxistischen Untergrundbewegung in der Türkei verwoben ist. Erst 2011 wurden Mitglieder der Band zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt, weil sie auf einer Demo in Istanbul randaliert haben sollen.

Um der türkischen Polizei zu entkommen, haben sich Teile jener Untergrundbewegung nach Mitteleuropa zurückgezogen. Laut deutschen Behörden stehen Tas und Aslan dieser Gruppe nahe, weshalb die zwei Wiener nun wie Terroristen behandelt werden (inklusive massivem Polizeiaufgebot bei den Verhandlungen im Landesgericht).


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