Zeit am Schirm

Medien | Matthias Dusini | aus FALTER 38/13 vom 18.09.2013

TV-Kolumne

Neben Papstwahlen gehören auch Tennismatches zu jenen Ereignissen, die sich besonders gut für Fernsehübertragungen eignen. Die Kamera überblickt souverän den Ort des Geschehens, zoomt ruhig ins Detail. Irgendwann wird weißer Rauch aufsteigen und der letzte Ball gespielt sein.

Auch die Tierwelt hat eine Wesensverwandtschaft mit dem TV-Reich. Das Kameraauge nimmt wahlweise die Perspektive eines faulen Murmeltiers, einer nervösen Dschungelkatze oder eines kreisenden Seeadlers ein. Stundenlang könnte man dem zusehen, wenn da nicht die depressiven Menschenstimmen wären. Tierfilmer neigen nämlich dazu, die Welt in stetem Niedergang wahrzunehmen. Stets entdecken sie gerade die letzten Exemplare irgendeiner Vogelart, die Raubkatzen sind sowieso von Jägern, die Grashüpfer von Brandrodungen bedroht. Anders als bei Papstwahlen oder in Wimbledon gibt es am Ende immer nur Verlierer. TV-Puristen sehen Tierdokus daher immer ohne Ton.


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