"Aus Angst hat sie alles vernichtet“

Feuilleton | Protokoll: Michael Omasta | aus FALTER 38/13 vom 18.09.2013

Kameramann Wolf Suschitzky erinnert sich an seine Schwester, die Fotografin Edith Tudor-Hart (1908-1973)

Wir sind zusammen aufgewachsen, in der Petzvalgasse im vierten Bezirk. Edith, meine Schwester, war vier Jahre älter als ich und mir weit voraus. Sie hat mich in klassische Musik eingeführt und mir manches erklären können in der Politik. Später hat Edith, die inzwischen in der Landstraße wohnte, mir auf zwei, drei Stunden ihr Zimmer überlassen, damit ich meine erste Freundin sehen konnte. Das war sehr lieb von ihr.

Edith hatte einen Freund, der bei His Master’s Voice in Wien arbeitete, alle Musiker in der Stadt kannte und Aufnahmen mit ihnen gemacht hat. Einmal beim Spazierengehen sind wir Arnold Schönberg begegnet, und ich durfte ihm die Hand schütteln. Wir sind auch oft zu Konzerten gegangen. Im Gegensatz zu mir war Edith auch selbst musikalisch. Sie hat gut Klavier gespielt.

Unser Vater war ein guter Sozialdemokrat, er hat viele Verbindungen gehabt. In seiner Buchhandlung hat


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