Menschen

Worte, Worte

Falters Zoo | Nathalie Grossschädl, Wolfgang Kralicek, Christopher Wurmdobler | aus FALTER 38/13 vom 18.09.2013

Wien war vergangene Woche mörder in Fashion und feierte in einem Zelt vorm Museumsquartier hauptsächlich die heimische Modewelt ab. Also sich selbst. Eröffnet wurde das von Elvyra Geyer, Zigi Mueller und Maria Oberfrank erdachte Spektakel mit einer aufregenden Schau der Designerin Susanne Bisovsky. Tatsächlich ging da ein gewaltiges "Wow“ durchs Publikum. Die Vorführdamen schwebten in geblümten Kleidern mit wippenden Röcken, Schnürstiefeln und Kopftüchern oder Hüten, unter denen sich aufgetürmte Haarberge verbargen, über den Laufsteg. Das Highlight lieferten aber drei Sängerinnen mit Minigitarren am Schluss der Show. In Bisovsky-Garnitur coverten die drei aus vollem Halse den italienischen Klassiker "Parole, parole“. Schön war’s, schmacht!

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Wien Products ist mittlerweile schon so was wie ein Gütesiegel. Und seit geraumer Zeit zählen zu den Wiener Produkten nicht mehr (nur) Waffelschnitten und Schnitzel, sondern auch edles Design. Jedes Jahr im Herbst werden in der Wiener Wirtschaftskammer neue Wien Products präsentiert, jetzt also wieder. Unter den Designern finden sich bekannte Namen wie der von Rainer Mutsch (für den Juwelier Köchert) oder Sebastian Menschhorn (für die Glasmanufaktur Lobmeyr). Augarten ist auch stets mit dabei. Der Bildhauer Matthias Claudius Aigner hat für die Porzellanmanufaktur einen "Gerfalken“ gemacht. Schön zum Anschauen, lästig zum Abstauben. Augarten-Frau Andrea Fraunbaum fand’s aber offenbar so super, dass das Teil nun dort in Serie geht.

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Wir wissen noch nichts über das Lied, aber wir kennen die Interpretin: Conchita Wurst wird Österreich beim nächsten Song Contest vertreten. Ja, ja, ohne Vorentscheidung, ohne Publikumswahl, so ist das nun mal. Den unschönen Shitstorm, den der ORF mit dieser Nominierung auslöste, wollen wir hier nicht kommentieren. Auch die ganzen Hassmeldungen im Internet, drauf gepfiffen. Wir wünschen Frau Wurst, die im echten Leben Tom Neuwirth heißt, jedenfalls alles Gute. Ein Medienprofi ist sie ja, Fernsehshow-erprobt bis auf die Knochen. Und das kann man beim Song Contest, der im Mai 2014 in Kopenhagen stattfinden wird, sicher gut gebrauchen. Zeit für einen Hausbesuch, jedenfalls.

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Unser Lieblingsfeuilletonchef Klaus Nüchtern präsentierte in seinem Lieblingsjazzclub, dem Blue Tomato im 15., sein neues Buch "Früher waren die Friseure frecher“ (Metroverlag). Neben dem Autor lasen zahlreiche illustre Gäste aus dem "Nüchtern betrachtet“-Sammelband, darunter Nüchterns Frau Elli, Nüchterns Tochter Hannah und Nüchterns Psychiater Paulus Hochgatterer. Nüchterns Klarinettenlehrer las nicht, spielte dafür aber Klarinette (eine Nüchtern-Komposition im Duo mit dem Komponisten). Nüchterns Lieblingstiroler, Autor und Filmemacher Händl Klaus, las eine extrem tirolfeindliche Kolumne vor und erlitt dabei einen schweren Lachanfall, und Tex Rubinowitz lieferte schließlich das seltene Schauspiel einer Lesung, in welcher der Text nicht nur vorgelesen, sondern auch vernichtet ("Stabreim-Stalinismus!“) wird. Kurz: Es war ein großer kleiner Abend in Fünfhaus. Nur Nüchterns Friseur war nicht gekommen. Frechheit!

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


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