Kritiken

Jelinek kommt zum Kern der Sache

Lexikon | Hermann Götz | aus FALTER 38/13 vom 18.09.2013

Der Autor und Theatermacher Ernst M. Binder ist ein guter Leser: Besonders dort, wo Sprachmusik und Sinn verschmelzen, hört er sehr genau hin. Andere Autoren schätzen das. So auch Elfriede Jelinek, die in der jüngsten Produktion von Binders Drama Graz sogar den Prolog für die erweiterte Fassung ihrer Sprechoper "Kein Licht" gesprochen hat. In jelinekschen Assoziationsketten arbeitet sich der Text leitmotivisch von der Persönlichkeits- zur Kernspaltung vor. Mit einer Gruppe ausgesuchter Schauspieler - von Drama Graz sowie den Kooperationspartnern Theater Faimme und Kosmos Theater - bringt Binder ihn gekonnt, aber wenig überraschend, in einer Collage aus szenisch oder chorisch aufgelösten Leseweisen. Ganz anders der Epilog, den eine kopfschüttelnde Libgart Schwarz als virtuosen Monolog gestaltet. Old school. Aber groß.

Kosmos Theater, Di-Do 20.00 (bis 5.10.)


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