Ein Blauwal feiert Geburtstag

Seit zehn Jahren sorgt das Grazer Kunsthaus nicht nur für Ausstellungen, sondern auch für Gesprächsstoff

Lexikon | Tiz Schaffer | aus FALTER 38/13 vom 18.09.2013

Auffällig ist es, das Grazer Kunsthaus. Wirft man aber einen Blick über die Grenzen, sieht man, dass ikonische Kulturbauten nicht selten für die Aufwertung einer Stadt herhalten müssen. Das illustriert auch die derzeit laufende Ausstellung "Kultur:Stadt".

Dem Grazer Kunsthaus gingen jahrelange politische Streitigkeiten voran, erst 2003, als Graz europäische Kulturhauptstadt wurde, konnte der "Friendly Alien" nach den Plänen von Peter Cook und Colin Fournier fertiggestellt werden. Diskussionen um die blaue Blase gibt es aber bis heute.

Ab Sonntag lädt das Kunsthaus zu den Feierlichkeiten "Happy Birthday, Friendly Alien!", gewährt zehn Tage lang freien Eintritt, bietet etwa auch kostenlose Führungen für gehörlose oder blinde Menschen an. Auf dem Jubiläumsplakat wurden die vielen Namen jener ruhmreichen Künstler abgedruckt, die in den letzten Jahren mit Ausstellungen präsent waren: Maria Lassnig etwa oder Sol LeWitt, Ai Weiwei oder Sharon Lockhart. Mit Salvador Dali oder Andy Warhol zeigte sich das Kunsthaus von seiner populistischen Seite. Jedenfalls ist das Haus, mehr als 50.000 Besucher zählte es letztes Jahr, nicht mehr wegzudenken. Wie auch die beiden Institutionen Camera Austria und das Haus der Architektur, die dort untergebracht sind.

Das Medienkunstlabor findet man heute nicht mehr dort. Dass es 2010 schließen musste, sorgte in der Kunstszene für Unmut. Auch im Café des Kunsthauses lief es zu Beginn nicht reibungsfrei, zu oft wechselten die Betreiber. Heute scheint die Lage stabil.

Aber ob Bockbier-Anstiche, die dort schon mal stattfinden, das Haus würdig flankieren, ist zumindest fraglich.

In einem Falter-Interview meinte die Kulturstadträtin Lisa Rücker, das Kunsthaus hätte "eine sehr gute internationale Ausrichtung, aber zu wenig Haltung gegenüber den hiesigen Künstlern". Ist man dann einmal drinnen, wie etwa Michael Kienzer voriges Jahr, tun sich gleich neue Probleme auf - etwa die "sehr besondere Architektur" des Hauses, wie es Kunsthaus-Chef Peter Pakesch einmal formulierte. Sie gibt Künstlern wie Kuratoren ziemlich was vor. Und Aufregung gab es, als der Leiter einer Grazer Kunstinstitution angeblich sagte, das Haus sei eine "Geldvernichtungsmaschine".

Derlei wird sicher auch bei der Podiumsdiskussion "Was bringt uns die Kulturinstitution?" am Donnerstag Thema sein. Mit dabei etwa Christian Buchmann, Peter Pakesch oder Lisa Rücker. "Was ist gelungen, was wird gefordert, was steht möglicherweise an?", so die Fragestellungen. Und beim großen Geburtstagsfest am 28.9. wechseln sich die Programmpunkte dann überhaupt im Stundentakt ab.

Kunsthaus, Graz, 26.-28.9


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