Stadtrand

Straßenköter und Straßenkater

Urbanismuskolumne Christopher Wurmdoblers Katze geht manchmal auch auf der Straße spazieren

Stadtleben | aus FALTER 39/13 vom 25.09.2013

Es wird, beklagen sich Katzenbesitzer, in dieser Stadt viel zu wenig über Katzen gesprochen. Was vielleicht auch daran liegt, dass die wenigsten ihre Katze Gassi führen und sich nach deren Exkrementen bücken. Stadtkatzen kommen nur vor, wenn ihre Besitzer von ihnen erzählen oder sie ihn Transportboxen zum Tierarzt tragen. Dann hört man meist ein klägliches Maunzen und wundert sich über das ungewöhnliche Geräusch.

So gesehen war der Tigerkater eine mittlere Sensation, der da unlängst - ohne Leine oder Box - auf dem Schoß seiner Besitzerin Straßenbahn fuhr. Kinder staunten, als hätten sie noch nie eine Katze gesehen, Touristen machten Handyfotos. Und der Kater? Der schaute und schnurrte und schien die Fahrt zu genießen. Auf dem wunderbaren Blog "Vintage Vienna" tauchte jetzt ein Foto aus den 1960er-Jahren auf. Darauf zu sehen: ein Herr im Anzug, der in der Josefstadt auf der Langen Gasse eine schwarze Katze streichelt. Irgendwie sagt das Bild auch viel darüber aus, wie sich der öffentliche Raum verändert hat. Nicht nur, was das Anzugtragen betrifft.


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