"Stereotypen sind immer gut"

Der irische Stand-up-Comedian Dylan Moran gastiert mit "Yeah, yeah" im Gartenbaukino

INTERVIEW: HANNAH & KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 39/13 vom 25.09.2013

Der Ire Dylan Moran (Jg. 1971) ist einer der besten und erfolgreichsten Stand-up-Comedians englischer Zunge. Bekannt wurde er auch durch die superlustige TV-Serie "Black Books"(2000-2004), für die er als Co-Autor fungierte und in der er den übellaunigen und trinkfreudigen Buchhändler Bernard Black spielte.

Falter: Wir wissen, dass Sie nicht besonders gerne Interviews geben. Gibt 's irgendwelche Fragen oder Themen, die wir besser nicht ansprechen?

Dylan Moran: Nein, nein. Offenbar haben Sie da irgendwas über mich gelesen, aber ich spreche sehr gerne mit Ihnen. Fragen Sie mich also, was Sie wollen!

Was war denn die blödeste Frage, die Ihnen in einem Interview gestellt wurde?

Moran: Die Fragen, die Journalisten stellen, sind gar nicht blöd, sondern bloß schwierig für mich. Wenn Sie jetzt also fragen: "Was dürfen wir von Ihrem Wien-Programm erwarten?", dann kann ich Ihnen das nicht genau beantworten. Ich werde wohl ein bisschen über mein ziemlich ahnungsloses Bild sprechen, das ich von Wien habe. Nationale Stereotypen sind immer ein guter Ausgangspunkt, wie blöd oder beleidigend sie auch sein mögen.

Es wird also Hitler-Witze geben?

Moran: Nicht unbedingt. Komiker wollen bloß immer über die Sachen reden, über die sonst niemand sprechen möchte. Es ist einfach ihre Aufgabe, dem Ungesagten eine Stimme zu verleihen.

Komik hat Ihrer Auffassung zufolge also eine psychohygienische Funktion?

Moran: Das ist eine absolut perfekte Beschreibung. (Auf Deutsch:) Danke!

Wenn ich mir die DVD von "Yeah, yeah" ansehe - wie viel davon werde ich im Gartenbau-Kino wiedererkennen?

Moran: Verstehen Sie mich, wenn ich Ihnen sage, dass das eine sehr österreichische Frage ist?!

Okaaay. Dann erzählen Sie uns doch einfach mal etwas über den Beginn Ihrer Karriere.

Moran: Als ich 20 war, habe ich geschrieben und gezeichnet und wusste ich nicht so recht, was ich tun sollte. Ich besuchte einen Klub in Dublin, sah Leute auftreten, fand sie großartig, und die Woche drauf meinten die: Wenn du willst, kannst du's selbst ausprobieren. Das war's.

Haben Sie sich mit Ihren Eltern Komiker angesehen?

Moran: Nein, nie. Aber jeder in Irland hat Witze und Geschichten erzählt. Das ist vermutlich so wie mit den Kaffeehäusern in Wien: Die Leute sitzen rum und nehmen sich gegenseitig auf den Arm.

Litten oder leiden Sie an Lampenfieber?

Moran: Das kann jederzeit passieren -wie ein Mistral, der einen durchweht. Es müssen auch gar nicht zweieinhalbtausend Leute im Publikum sitzen, 50 reichen vollkommen. Es ist völlig unvorhersehbar -mysteriös!

Ihre schlimmsten Erfahrungen?

Moran: Wenn man etwas lernt, verbockt man's natürlich auch hin und wieder. Und man wird immer Angst haben! Komiker wollen die Leute bloß zum Lachen bringen, aber weil sie unsicher sind, klingt es, als wollten sie das Publikum unterwerfen. Sie verwenden Formulierungen wie "I killed them".

Und wie unterwerfen Sie es?

Moran: Das ist genau einer der eingangs erwähnten Punkte: Wenn ich verstehen würde, was ich tue, wäre ich nicht mehr in der Lage, es zu tun.

Wodurch unterscheidet sich Ihr Stil von dem anderer Kollegen?

Moran: Es gibt Komiker, die ihre Pointen wie mit dem Maschinengewehr abfeuern. Ich verstehe das nicht. Ich rede einfach. Wie man das macht, habe ich in den Londoner Klubs gelernt: jeden Tag Auftritte von zehn, 20,30 Minuten. Ein ziemlich brutales Training.

Gagschreiber haben Sie keine?

Moran: Nein, nein, nein, nein! Da wäre es ja nicht mehr ich, der da oben steht.

Wie kamen Sie auf Bernard Black?

Moran: Ja. Ich habe einfach beobachtet, dass viele Buchhändler sehr unglücklich darüber sind, dass sie mit Menschen zu tun haben. Das fand ich unglaublich komisch!

Steckt etwas von diesem Misanthropen auch in Ihnen?

Moran: Sicher. Ich würde es aber nicht misanthropisch nennen. Ich bin bloß skeptisch gegenüber vielem, was uns geboten wird.

Sieht man. Haben Sie schon mal einen Kamm benutzt?

Moran: Darauf kann ich ganz klar antworten: nein!

Gartenbau, Di 20.00 (ausreserviert!)


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