Menschen

Holterdipolka

Falters Zoo | Konstantin Vlasich, Birgit Wittstock, Christopher Wurmdobler | aus FALTER 39/13 vom 25.09.2013

Der Flashmob als aktionistisches Mittel hat sich, wir müssen das leider sagen, ein bisschen überholt. Und wenn irgendwelche PR-Agenturen in der Redaktion anrufen, um anzukündigen, dass in drei, vier Wochen irgendwann irgendwo in Wien ein wahnsinnig spontaner Massenauflauf stattfinden wird, dann weiß man schon: hier geht es um Reklame für Suppenwürfel, eine neue Eiscreme oder sowas. So gesehen war der Musik-Flashmob "5 vor 12 für eine menschliche Flüchtlingspolitik" vergangene Woche vorm Parlament natürlich auch keine sehr spontane und ungeplante Angelegenheit. Aber jemand hat schließlich auch das Klavier für Paul Gulda herbeibringen müssen. Oder den Taktstock für Daniel Landau, der den Chor, der dann die Europahymne "Ode an die Freude" anstimmte, dirigierte. SOS-Mitmensch steckt dahinter, kein Suppenwürfelfabrikant. Sehr gut.

Große Pferdeoper vor dem Rathaus dann, wo für das Springreitturnier "Vienna Masters" ein richtiger Reitplatz aufgebaut wurde, Zeltstallungen für die edlen Rösser und sogar ein riesiger Misthaufen direkt neben der Hauptuni. Und dann hat es geregnet. Was Athina Onassis, Enkelin des berühmten griechischen Frachtschiffkönigs, nicht davon abhielt, zum zweiten Mal an dem internationalen Turnier teilzunehmen.

Kurz vor der Viennale noch schnell eine ganz andere Nachricht aus der Welt des Films: Letzte Woche feierte der österreichische Horrorfilm "Blutgletscher" seine Premiere - als Eröffnungsfilm beim Slash-Filmfestival. Im sozusagen blutgetränkten Gartenbaukino ließen sich unter anderen die Schauspieler Brigitte Kren, Gerhard Liebmann, Edita Malovčić und der Bösewicht aus Sabine Derflingers Tatort, Murathan Muslu, ordentlich feiern. Wenngleich die Monster ein bisschen komisch ausfielen, war der Film gar nicht so schlecht. Sagen wir mal jetzt so. Am zweiten Festivaltag gab es dann den mittlerweile fast schon traditionellen "Zombie-Walk", veranstaltet vom Zombie-Papa, Monochromund FM4-Mann Roland Gratzer. Der Gang der Zombiefizierten führte über die gruseligste Straße der Stadt, die Mahü, Richtung Filmcasino. Dort gab es dann eine Folge "The Walking Dead". Wie passend.

Und kurz noch einmal zurück ins Gartenbaukino: Im Zuge des "Let's CEE"-Filmfestivals (CEE steht für Central and Eastern European) wurde unter anderem der sowjetische Stummfilm "Panzerkreuzer Potemkin" aus dem Jahr 1925 aufgeführt - ein Film über die Revolution auf hoher See. Regie führte damals Sergei Eisenstein. Damit während des Stummfilms kein unangenehmes Schweigen herrscht, wurde Russkaja zur filmmusikspielenden Liveband! Ein seltenes Spektakel, allerdings vertonten Russkaja den Potemkin bereits voriges Jahr in Waidhofen/Ybbs im Rahmen des niederösterreichischen Viertelfestivals. Bei der Umsetzung verzichtete die Ska-Band, bekannt aus der ORF-Show "Willkommen Österreich", gänzlich auf synthetische Klänge und Playbacks, die Musiker trugen Matrosenuniformen und, wenn's szenisch passte, wurden eigene Songs gespielt. Für die übrigen Szenen komponierte Russkaja-Bläser Hans-Georg Gutt ernig die Filmmusik - so beispielsweise für das legendäre die Treppen hinunterrasende Kinderwagerl. Holterdipolkamäßig.

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige