Ohren auf

Ben spielt fast alles, nur Britten spielt er keinen

Britten-Spezialedition

Feuilleton | Miriam Damev | aus FALTER 39/13 vom 25.09.2013

Ein Mann der Praxis, ein moderner Musiker, Inspirator und Gründer", so beschrieb Hans Werner Henze Benjamin Britten, der heuer 100 Jahre alt geworden wäre. Dass der 1976 verstorbene Engländer nicht nur ein genialer Komponist, sondern auch ein begnadeter Pianist und Dirigent war, zeigt die 27 CDs starke Edition "Britten: The Performer" (Decca). Die ersten CDs sind Henry Purcell und J.S. Bach gewidmet, u.a. dirigiert Britten die sechs "Brandenburgischen Konzerte". Die Tempi nimmt er langsamer, als man es heute tut, und Bach klingt auch um einiges expressiver, was ihm aber gar nicht schadet.

Schubert und Mozart waren Brittens Lieblingskomponisten. Neben den Sinfonien spielte er auch zahlreiche Sonaten und Klavierkonzerte ein - mal als Solist, mal als Dirigent. Eines der schönsten, jenes in A-Dur KV 414, leitet Britten vom Klavier aus. Mitgeschnitten wurde es live beim Aldeburgh Festival, die kleinen Patzer seien ihm bei der einfühlsamen Interpretation also verziehen. Mit Swjatoslaw Richter nahm er einige Klavierduette auf, etwa Debussys "En blanc et noir" oder Schuberts Duo in C-Dur. Einen wesentlichen Teil der Edition nimmt das Kunstlied ein: Schumanns "Dichterliebe" etwa oder Schuberts "Schöne Müllnerin" und die "Winterreise" mit dem Tenor Peter Pears.

Besonders intensiv beschäftigte sich Britten mit der Musik seiner Heimat. Sinfonisches (Delius, Elgar) nahm er ebenso auf wie Kammermusikalisches, u.a. zahlreiche Lieder von Vaughan Williams über Bridge, Warlock und Tippet bis hin zu Gustav Holst. Bisweilen arbeitete Britten auch mit anderen Sängern: Kathleen Ferrier, Dietrich Fischer-Dieskau oder der russischen Primadonna Galina Wischnewskaja. Eher sporadisch hingegen war die Kooperation mit Instrumentalisten. Geblieben sind Aufnahmen mit Mstislaw Rostropowitsch (genial: Schostakowitschs Cellosonate), für den Britten auch mehrere Werke komponierte. Alles in allem ein beeindruckendes geschichtliches Tondokument mit sehr viel sehr guter Musik.


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