Neue Platten

Feuilleton | aus FALTER 39/13 vom 25.09.2013

Pop

Die Goldenen Zitronen: Who's Bad?

Kaum eine Band hat sich so gründlich gewandelt wie die einstigen Spaßpunks um Schorsch Kamerun, die erst politisch wurden, dann das Theater aufmischten und mit "Lenin" ein Meisterwerk veröffentlichten. Und jetzt? Über das Leben heute zwischen dem Zwang zur Selbstoptimierung und dem Gefühl, dass eh alles vor die Hunde geht, sollte Kamerun einiges zu sagen haben. Doch leider klingt "Who's Bad" arg zerfahren, und sowohl die Texte als auch die Musik zwischen Eigenbau-Techno und Krautrock sind nur in seltenen Momenten wirklich zwingend. (Buback) SF

Pop

MGMT: MGMT

Ihr Debüt "Oracular Spectacular" brachte einen Hauch Psychedelik in die Indiedisco. Der Nachfolger "Congratulations" fuhr den Songanteil zurück, strich die Konsenshymne aus dem Programm und forcierte das psychedelische Gedaddel. "MGMT" zeigt jetzt als tönende Wohlfühloase: Das war kein einmaliger Spleen, die meinen das ernst. Gut so! Das New Yorker Duo lässt es weiterhin zwitschern und hallen, gefällt sich im Zustand breit grinsenden Weggetretenseins und schafft es doch mit erstaunlicher Sicherheit, nie wirklich abzuschmieren. (Sony) GS Live: 4.10., Gasometer

Jazz

Joachim Kühn Trio: Voodoo Sense

Mit "Lifeline"(Falter-Jazzalbum des Jahres 2012) kann "Voodoo Sense" nicht mithalten, auch wenn Sax-Altmeister Archie Shepp auf drei Stücken zum Tenor greift. Das funktioniert bei der vergleichsweise traditionellen Ballade "L'eternal Voyage" noch am besten, wohingegen Shepp auf dem 20-minütigen "Kulu Se Mama" zwar ein paar hübsche Kaskaden beisteuert, dem Stück aber auch nicht den letzten Drive zu verleihen vermag. Den eigentlichen Trio-Stücken gebricht es ebenfalls ein wenig an Binnendynamik und Momenten echter Überraschung. (Act) KN


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