Ins Mark

Kohle für den Kinderschutz

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 39/13 vom 25.09.2013

Im Frühjahr war es aufgeflogen, weil sich ein erst zwölfjähriges Mädchen seiner Mutter anvertraute: Laut Urteil sind vier Mädchen über Jahre hinweg in einer Jugend-WG der Stadt Graz vergewaltigt worden, von drei Burschen, die ebenfalls in der WG untergebracht waren. Am Freitag fassten die drei, die selbst aus desolaten Verhältnissen stammen, unbedingte Haftstrafen aus, die Urteile sind nicht rechtskräftig. Die Frage, die sich alle stellten: Wie kann es sein, dass niemand etwas bemerkte? Die Staatsanwaltschaft sagt, es habe keine Anhaltspunkte für Verfehlungen der Betreuer gegeben. Auch seitens des Jugendamtes heißt es, es sei nichts zutagegetreten, was disziplinarrechtliche Konsequenzen erfordern würde.

Doch es gibt einiges zu tun: Gewaltschutzexpertin Yvonne Seidler fordert etwa längst Spezialeinrichtungen für Kinder und Jugendliche, die Opfer sexueller Gewalt waren oder sie selbst ausgeübt haben. Doch das gibt es in Österreich kaum, ebenso wenig wie getrennte Unterbringungen für Mädchen und Burschen. Wohngemeinschaften sind allgemein mit Personal nicht gerade üppig ausgestattet, durch den Sparkurs im Land wurde die Zeit für Weiterbildung und Supervision knapper. Die Kinder-und Jugendanwaltschaft fordert zudem für die Steiermark eine unabhängige Ombudsstelle für Kinder und Jugendliche, die in Wohngemeinschaften oder bei Pflegeeltern leben. In Wien gibt es das.

Das Grazer Jugendamt hat jetzt reagiert: Das Personal erhält eine spezielle Schulung, in den städtischen WGs wurden Maßnahmen getroffen. Wenn die Politik Kinderschutz ernst nimmt, muss sie Geld in die Hand nehmen - am besten bevor das nächste Mal etwas passiert.


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