Film Neu im Kino

Ein interessantes Haus auf wackeligem Fundament

Lexikon | GERHARD STÖGER | aus FALTER 39/13 vom 25.09.2013

Mit dem Lied "Am Tag als Thomas Anders starb" wurde die Hamburger Punkband Die Goldenen Zitronen 1986 über Nacht bekannt. Ein gutes Vierteljahrhundert später tauchen die heute vor allem im Theaterfach tätigen Zitronen-Altspatzen Schorsch Kamerun und Ted Gaier sowie die zum Schlagersänger umgeschulte einstige Modern-Talking-Hälfte Thomas Anders unabhängig voneinander in "Welcome to the Machine" auf, einer vom österreichischen Regisseur Andreas Steinkogler realisierten Rockumentary.

Benannt nach einem berühmten Pink-Floyd-Song und lose an die Sex-Pistols-Dokumentation "The Great Rock 'n'Roll Swindle" angelehnt, geht der Film in zwölf Kapiteln diversen Fragen des Musikgeschäfts nach. Halb seriös, halb scherzhaft kommen dutzende Akteure zu Wort; Branchenexperten, vor allem aber Musikschaffende aus unterschiedlichen Genres und Generationen -von den Rockoldies Nazareth über die Hip-Hop-Stars Cypress Hill bis zur Elektropunk-Performerin Peaches. Trotz eines gewissen Hangs zur Reizüberflutung bietet diese heterogene Vielstimmigkeit eine Reihe interessanter Momente. Wenn die finnischen Song-Contest-Gewinner Lordi etwa, in groteske Ganzkörperkostüme gekleidet, todernst behaupten, die Musik sei viel wichtiger als das Image, wenn sich Kim Wilde als Fan der Schallplatte outet ("Ich wüsste gar nicht, wie ein illegaler Download funktioniert") oder die österreichische Sängerin Natalia Ushakova schweigend und mit leerem Blick den Ausführungen ihres vampirgesichtigen Managers lauscht.

Problematisch ist allerdings das Fundament: Als Rahmenhandlung begleitet Steinkogler die österreichische Band The New Vitamin bei ihren Versuchen, die Maschine zu knacken. Und denen fehlt halt leider nicht nur die zündende Idee, sondern auch jegliches Charisma.

Ab Fr im Top-Kino


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