Nüchtern betrachtet

Diese Kolumne hat mich neun Euro gekostet

Feuilletonchef Klaus Nüchtern berichtet aus seinem Leben. Die Kolumnen als Buch: www.falter.at

Feuilleton | aus FALTER 39/13 vom 25.09.2013

Müsste ich einen Satz wählen, der mein Herkommen und Werden in eine Nussschale packt, wäre es "Ich bin zwei Öltanks". Damit will ich keineswegs auf mein insgesamt doch eher unspektakuläres Körpervolumen, sondern vielmehr auf jene Verschränkung von Schlichtheit und Poesie verweisen, die mich stark geprägt hat. Ich wuchs ja noch in einer Zeit auf, in der man mit FS 1 und FS 2 das Auslangen fand und in der die von mütterlicher Hand im Nu zubereitete Selchspeckklappstulle als Chimborazo unter den 2-Komponenten-Mahlzeiten galt. Der erwähnte Satz aber gewinnt seine lyrische Kraft durch ein identitäres Oszillieren, das der grammatischen und semantischen Subversion der Numeralkohärenz geschuldet ist: Eins plus eins bleibt eins - faszinierend.

Das bedeutet freilich nicht, dass ich für die Freuden konventioneller Addition verdorben wäre. Ohnedies sollte man Yoricks Ratschlag beherzigen und seine Empfindungen an jede melancholische Zypresse heften, deren man habhaft werden kann, und gerade


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