Däumling besiegt Sokrates - Hoffen auf die Digital Natives

Der französische Wissenschaftsphilosoph Michel Serres begründet seine Liebeserklärung an die Netzgeneration vernunftgeschichtlich


Rezension: Armin Thurnher
Politik | aus FALTER 39/13 vom 25.09.2013

Michel Serres ist 83 und von Beruf Epistemologe. Das müsste man jetzt googeln. Sagen wir einfach, er ist Wissenschaftsphilosoph, Mitglied der Académie française, lehrt an der Sorbonne und in Stanford. Unter dem Titel "Erfindet euch neu! Eine Liebeserklärung an die vernetzte Generation" hat er einen kurzen Essay herausgegeben. Man kann sich darüber mokieren, dass ein 83-Jähriger der Netzgeneration seine Liebe erklärt, wie dies ein Szenemagazin unter gerontophobem Vorbehalt tat. Das ginge aber weit an der Sache vorbei. Den Serres ist kein naiver Zukunftsanbeter, der seine Reverenz an die Däumlinge, also an die Digital Natives mit dem Daumen am Smartphone, bloß aus den Beobachtungen seiner Umwelt in den Hörsälen von Eliteunis ableitet.

Nein, Serres' Kommunikationsphilosophie stellt seit Jahrzehnten auf jenen Epochenbruch ab, der sich nun zum dritten Mal nach der Erfindung der Schrift und jener des Buchdrucks einstellt. Diesmal durch das Aufkommen des "fraktalen Erkenntnisprozesses"

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