steirischer-herbst-Ausstellung: Und wieder keine Quadratur der Finanzkreisläufe

Lexikon | KUNSTKRITIK: ULRICH TRAGATSCHNIG | aus FALTER 39/13 vom 25.09.2013

Die diesjährige steirischer-herbst-Ausstellung "Liquid Assets. Nach der Transformation des Kapitals" (bis 1.12.), die im charmant gestylten Festivalzentrum Ex-Zollamt zu sehen ist, widmet sich ganz der neoliberalen Finanzmarktkrise. Dass in solcher Beschäftigung viel Kritikpotenzial liegt, bedarf, über die zahllosen Expertenkommentare der letzten Jahre hinaus, keiner weiteren Erklärung. Für die Themenfindung können daher keine Sterne vergeben werden. Macht aber nix. Schlimmer ist, dass die Kuratoren Luigi Fassi und Katerina Gregos ihre ja recht unterhaltsame und mit 19 internationalen Positionen respektabel bestückte Ausstellung an gar nicht nötigen Ansprüchen scheitern lassen. Sie wollen die gezeigte Kunst nämlich nicht nur als ästhetische und emotionale Reaktion auf die Krise verstanden wissen, sondern auch als analytisches Instrumentarium, um "die Geheimnisse und Logiken frei fließender globaler Kapitalströme zu erforschen".

Gegenüber der Komplexität des damit betrachteten Systems wäre die Quadratur des Kreises fast eine Milchmädchenrechnung. Der wenig frustrationsresistente Besucher sollte sich daher besser auf die Wirkmächtigkeit mancher der gezeigten oder heraufbeschworenen Bilder konzentrieren. Das güldene Gacksi auf einem Sockel aus geschredderten Banknoten von Q. Salinas &Bergman oder Alain Bornains Auflistung der 50 reichsten Menschen gehören übrigens nicht dazu. Eher die Videoarbeiten von Oliver Ressler oder Jan Peter Hammer, die immerhin Einblicke in systemimmanente Zusammenhänge durchscheinen lassen. Über ausbleibende finanzwissenschaftliche Erkenntnisse kann man sich getrost an anderer Stelle ärgern.


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