Selbstversuch

Ihnen auch einen guten Tag, Herr Landau!

Doris Knecht ist das unglaublich peinlich

Kolumnen | Doris Knecht | aus FALTER 39/13 vom 25.09.2013

Bevor ich erzähle, wie Rock 'n'Roll der 10-Jahre-Gratzenhof-Abend war, an dem wir die Intendanz des fabelhaften Rabenhof-Direktors Gratzer und seiner famosen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgelassen gefeiert haben, muss ich erst noch die Dolezal-Geschichte loswerden. Dieser nette Schauspieler, Christian Dolezal, Sie wissen schon, der Schlawiner. Traf ich den beim "Willkommen Österreich"-Festl. Ich kenn den ja kaum, gar nicht eigentlich, einmal bei einer Grillage vorgestellt worden, auf Facebook befreundet, so halt.

Ich bin gerade mit der Rosemarie beim Plaudern, tangiert uns der Dolezal. Erfreutes Hallo, schön, dass man sich mal wieder sieht, dann sagt der Dolezal, er habe übrigens gerade mein Buch gelesen, und diese Stelle, wo die den Welcher-80er-Jahre-Song-bist-du?-Test machen, das fände er richtig gut. Da habe er so gelacht. Ich grinse unverbindlich, mach den Wackeldackel und sage, daaaanke!, und dass mich das total freut, und danach sag ich zur Rosemarie: Du, ich glaube, das habe ich nicht geschrieben. Das ist eine lässige Idee, mit den 80er-Jahre-Songs, aber von mir ist die nicht. Die Rosemarie, die alle meine Bücher gelesen hat oder es jedenfalls behauptet, grinst und sagt, ja, ihr geht's genauso, daran kann sie sich nicht erinnern.

Wir gehen im Kopf gemeinsam die Stellen durch, wo das passen würde, und wir kommen zu dem Schluss: Der hat sich entweder im Buch geirrt oder in der Autorin. Soll vorkommen, ist nicht schlimm. Vor ein paar Monaten zum Beispiel hat mich der Franz Küberl für die geschätzte Kollegin Zöchling vom Profil gehalten, und ich war leider wie stets nicht schlagfertig genug, um das mit einem "Grüßgott, Herr Landau" zu parieren. Egal.

Jedenfalls, um auf den talentierten Herrn Dolezal zurückzukommen: Ich steh dann also da mit der Rosemarie und meinem Spritzer und einem Lob, das mir nicht gehört, an dem Stehtischerl, und es ist mir mörder unangenehm. Ich muss das richtigstellen, ich laufe ungern in einem fremden Lob herum, das Lob soll der zurückgegeben werden, der es gebührt.

Also marschier ich zum Dolezal, tippe ihn an und sage, du, das ist mir jetzt unangenehm, aber das habe ich nicht geschrieben, ich denke, du verwechselst da was. Oder mich. Der Dolezal schaut mich groß an: Nein, tut er nicht. Ich sage, das war aber nicht von mir. War es doch, sagt der Dolezal, und erklärt mir dann exakt, an welcher Stelle in welchem Buch das stand, und, Überraschung, es war doch von mir. Ich konnte mich nur nicht mehr erinnern, dass ich das geschrieben, x-mal korrekturgelesen und veröffentlicht habe, und ich weiß noch immer nicht, was mir peinlicher ist: dass ich den freundlichen Dolezal in diese unwürdige Rechtfertigungssituation gebracht habe oder dass ich meine eigenen Texte vergesse. Wobei das mit dem 80er-Jahre-Test natürlich aus Facebook gefladert war, trotzdem.

Das Rabenhof-Festl war übrigens wirklich ganz wundervoll.


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