Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | Matthias Dusini | aus FALTER 39/13 vom 25.09.2013

Fernsehen ist das neue Kino. Das wurde bei der Verleihung der Emmys deutlich, die am vergangenen Sonntag in Los Angeles stattfand. Die Modedesigner rückten Abendroben heraus, die sonst nur für Oscar-Galas vorgesehen waren. Großer Sieger war Steven Soderberghs Film "Behind the Candelabra", ein Film über die Queer-Ikone Liberace. Er wurde nicht fürs Kino produziert, weil das Thema für ein großes Publikum nicht geeignet schien.

Auch ausgezeichnete Serien wie "Breaking Bad" oder "Homeland" haben Qualitäten, die im 3D-Hollywood verschwunden sind. Sie handeln von psychisch deformierten Menschen, kaputten Familien und einem moralisch korrumpierten Amerika. Die Finanzberater des Kinobusiness halten solche Stoffe für zu riskant. Vielleicht lässt sich das Verschwinden der guten, alten Fernsehstube durch diesen Hype aufhalten. Wer nämlich Spielfilme auf dem Smartphone anschaut, für den ist ein TV-Screen wie eine Kinoleinwand.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige