Tiere

Ganz unten

Peter Iwaniewicz sitzt wie Ivan Rebroff im tiefen Keller bei einem Fass voll Reben

Falters Zoo | aus FALTER 39/13 vom 25.09.2013

In den Keller lachen zu gehen, scheint außer Mode gekommen zu sein. Medienberichten zufolge werden Keller hauptsächlich dazu verwendet, um Leichen zu vergraben, Menschen gefangen zu halten oder sich hinter Geheimtüren zu verbarrikadieren.

Unterirdische Räume hat man in historischen Zeiten für diese Zwecke auch schon benutzt, doch da hießen sie Katakomben, Verliese oder Kasematten.

Keller, die unter Wohnhäusern gebaut werden, sind eine Erfindung von Bauingenieuren, um nach der Errichtung viel Geld mit der sofort notwendigen Sanierung dieser feuchten Pilzbiotope zu verdienen. Interessanterweise sind solche Unterkellerungen nur in Österreich und Deutschland erste Bauherrenpflicht. In den meisten anderen Ländern verzichtet man darauf oder bezeichnet damit einen ebenerdigen Raum in der Nähe der Küche oder neben dem Haus, der kühl und dunkel ist und in dem man Vorräte lagert.

Unsere heimische Kellerkultur hingegen ist irrational. Wir nutzen diese Räume als Waschküche, um dann feuchte, schwere Textilien zum Trocknen auf den Dachboden zu schleppen. Oder wir stellen dort Heizölkessel auf, die bei Überschwemmungen das Grundwasser versauen.

Wem nützt also ein Keller? Natürlich der Kellerassel. Diese kleinen, dunklen Gliedertiere liegen auf der Schnuckeligkeitsskala - leider - weit im Minusbereich und ihr lateinischer Artname diskriminiert sie: Porcellio scaber, das kleine, räudige Schweinchen. Dabei haben sie einiges zu bieten: Sie sind die einzigen Krebse, die außerhalb des Wassers leben können. Über eine spezielle Rinne am Unterkörper sammeln sie Kondenswasser und leiten es zu ihren Kiemen an den Hinterbeinen. Apropos Beine: Wie viele besitzen Kellerasseln? Mit dieser Quizfrage, einer Handvoll Asseln und einem Doppler Wein kann man viele nette Stunden im Kellerstüberl verbringen. Richtige Antwort: sieben Beinpaare. Zusatzfrage: Wie viele Fühler haben die Tiere am Kopf? Vier, wie alle anderen Krebse auch.

Worauf sollte man bei den Asseln in seinem Keller achten? Je größer die Tiere sind, desto höher ist die Konzentration von Schwermetallen im Boden. Kupfer, Zink, Cadmium, Chrom und Eisen speichern sie in ihrem Fettgewebe, weswegen Umweltanalytiker Asseln als lebende Metalldetektoren sehr schätzen. Gebt unsere Keller den Asseln zurück, Sire!

iwaniewicz@falter.at

Zeichnung: püribauer.com


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