Phettbergs Predigtdienst

Klar, da beginnst du Tauben zu lieben

Hermes Phettberg führt seit 1991 durch das Kirchenjahr

Kolumnen | aus FALTER 39/13 vom 25.09.2013

Da die Sonne mich schon um 8.30 Uhr lockte, ging ich prompt auf den Pintplatz. Nahm alles zum Frühstück mit, nur die Morgentabletten, die mir eze immer einschachtelt, hatte ich in der Wohnung vergessen. Ich hatte alles mit: Eckerlkäse, Vollkornbrote, Suppengrün, Paradeiser, Banane, Kiwi, Hirsebällchen, nur keine Tabletten. Da meine Heimhilfe erst gegen 13 Uhr kam, blieb ich allein am Pintplatz, immer dort, wo mich die Sonne am intensivsten erwischt. Kein Mensch rief mich an, nur eine Taube hatte Interesse an mir gefunden. Ich meinerseits liebe die Tauben in ihrem Gang ebenfalls. Und von unten im Fluge sehen die Tauben wie kleine Adler aus. In ihrem Gehen glauben wir alle kleinen Kinder, sie zu erwischen. Aber im Fluge sind Tauben Ge-Waltig. Du glaubst ein gewaltiges Tier überfliegt dich gerade.

Beim Auflegen meines Frühstücks auf meiner Bank, wo ich so gerne sitze gegenüber der Ägidi-Apotheke und die Kerle betrachten muss, ist mir ein Stück Vollkornbrot auf den Boden gefallen, und es war nicht ich, der diese Taube interessierte, sondern das Stückchen Brot. Die Tauben mit ihren zwei Füßen sind ja arm im Festhalten. Sie musste das Brot, um es zum nächsten Biss parat zu haben, immer ein bisschen in die Höhe werfen, um es so ein bisschen weiter bissbereit zu bekommen. Ich muss aus Sicht einer Taube wie ein Menschentier aussehen, scheine der Taube Angst einzujagen, und so bekam ich Mitleid mit dem armen Taubentier, und immer wenn sie mein Stück Vollkornbrot unter meinen Arsch schmiss, schupfte ich der Taube das Stückchen Vollkornbrot unter ihren Arsch. Von Arsch zu Arsch hatten dieses Täublein und ich ein bisschen Kommunikation miteinander. Sonst war ich bis um 13 Uhr allein, bis Frau Göbel kam und ich dann mittagessen konnte, wozu eze mir gestern ein komplettes Menü vom Steman gekauft und gebracht hatte, das ich heute mittags aß: Frittatensuppe, Linsen mit Serviettenknödel, Topfengolatsche, diese aber vom Hafner.

Frau Göbel brachte mir für morgen das heutige Menü: Gemüsesuppe, Karfiol, denn auch im indischen Lokal in der Marchettigasse bin ich als persönlich anwesender Gast unerwünscht. Klar, da beginnst du Tauben zu lieben. Sie speisen ungeniert mit dir.

Phettbergs Predigtdienst ist auch über www.falter.at zu abonnieren. Unter www.phettberg.at/gestion.htm ist wöchentlich neu zu lesen, wie Phettberg strömt


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