Theater Kritik

Illusion und Gelaber: der neue Pollesch

Lexikon | SARA SCHAUSBERGER | aus FALTER 40/13 vom 02.10.2013

Es wird wieder einmal gelabert auf der Bühne. Ohne Punkt und Komma. Es werden philosophische Thesen auseinandergenommen und unzählige Wortwitze gemacht. Und plötzlich ist man mitten in einer abstrusen Liebesgeschichte gelandet, ohne genau zu wissen warum. René Polleschs "Cavalcade or Being a holy motor" ist allerdings so kurz, dass es einem zum Schluss wie erstaunlich wenig Gelaber vorkommt. Man hat den Autor und Regisseur durchaus schon dynamischer erlebt. Trotzdem macht auch diese Inszenierung Spaß. Das liegt vor allem an den komischen Kostümen (Nina von Mechow), dem schönen Bühnenbild (Bert Neumann) und den Schauspielern. Wie immer sind es die Großen, die bei Pollesch spielen: Birgit Minichmayr, Martin Wuttke und der im Stil von Kim Jong-il kostümierte Ignaz Kirchner.

Die Kulisse von Manhattan dominiert die Bühne, auf der ein riesengroßer Düsenjet aus hellem Holz landet. Glitzernde Lamettavorhänge liefern den Showeffekt, von dem "Cavalcade" letztendlich handelt. Die Idee, dass wir nicht ins Theater gehen, um die Wahrheit zu sehen, sondern um eine gespielte Wahrheit zu erleben, steht im Mittelpunkt der Inszenierung, in der es um das Innenleben einer nordkoreanischen Pressemitteilung, eine toxische Liebesbeziehung und die Dekonstruktion der Authentizität geht. Slavoj Žižek und "die alte Kanone Sigmund Freud" werden auseinandergenommen. In Anlehnung an Robert Pfallers Philosophie des delegierten Genießens wird auf der Bühne exzessiv geraucht, und Britney Spears' Musikvideo "Toxic" wird zitiert, wenn Minichmayr im blauen Stewardessenkostüm den Düsenjet zum Schweben bringt. Der beste und schönste Witz des Abends bleibt aber der Sprung in die Balllandschaft, die vor der Bühne aufgebaut ist.

Akademietheater, Sa 19.30


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