Vor 20 Jahren im Falter  Wie wir wurden, was wir waren

Die bunte Sau

Falter & Meinung | aus FALTER 40/13 vom 02.10.2013

Bei manchen Ausgaben vergangener Jahre wundert man sich, wie lange vergangene Epochen schon zurückliegen. Dann wieder reibt man sich bei anderen Ausgaben die Augen ob verblüffender Parallelen. War da nicht gerade der Romancier T.C. Boyle in Wien? Vor 20 Jahren sprachen Klaus Nüchtern und Walter Schübler mit dem Schriftsteller über dessen Hippie-Vergangenheit. Damals lebte Boyle in L.A., zuvor hatte er in New York gelebt.

Boyle über beide Städte: "L.A. ist eine polyglotte Stadt. Nichts lässt sich mit ihr vergleichen. New York, das mir seinerzeit so exotisch schien, ist im Vergleich zu L.A. eine Stadt aus dem Mittleren Westen (…). Damals lebte ich in New York unter lauter Drogensüchtigen und Ausgeflippten. Ich war praktisch der Einzige, der wenigstens lesen konnte. Aber ich hatte keinerlei Bestätigung. Das war’s, was ich gebraucht habe, dass Schriftsteller, die ich bewunderte, meinten:, O.k. kid, you’re on the right track, keep it up, it’s great!‘“

Der Beitrag fand sich im Hauptblatt, was insofern bemerkenswert war, als dem Falter bereits eine ausgewachsene Literaturbeilage von 32 Seiten beilag. Darin rezensierten zum Beispiel die Politologen Otmar Höll und Peter Filzmaier ein Buch von Hans Magnus Enzensberger; im Literaturteil schrieben Günter Kaindlstorfer, Klaus Kastberger, Wendelin Schmidt-Dengler, Bernhard Fetz, Alfred Pfoser und Tobias Heyl.

Auch das Thema Überwachung mutet aktuell an. Arpad Hagyo berichtete über die Schwierigkeit, die 1000 Mitarbeiter der österreichischen Geheimdienste unter parlamentarische Kontrolle zu stellen. Und in der ÖVP machten sich, berichtete Bernhard Odehnal, junge Intellektuelle bemerkbar, die, ermutigt von Parteiobmann Erhard Busek, für Impulse einer Programmdiskussion sorgen sollten. Boris Marte und Co. wehrten sich aber dagegen, als "Bunte Vögel“ apostrophiert zu werden: "Wir schweben ja nicht abgehoben herum, sondern wir stehen am dreckigen Boden der Realität und versuchen da rauszukommen. Wir sind also eher die bunten Schweine.“ AT


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige