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Wieso lassen Sie die FPÖ zum Stephansdom, Herr Faber?

Politik | Interview: Nina Horaczek | aus FALTER 40/13 vom 02.10.2013

Vergangenen Freitag hielt die FPÖ ihre Abschlussveranstaltung direkt beim Stephansdom ab. Dürfen die das? Hat die Pfarre kein Vetorecht gegen politische Agitation vor dem Dom? Der Falter fragte Dompfarrer Toni Faber, wieso er die FPÖ bei sich Nächstenliebe predigen lässt.

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache trat am Freitag vor dem Stephansdom auf. Wieso haben Sie kein Veto eingelegt?

Wir haben gar kein Vetorecht. Es gab lediglich eine gute Tradition, nur unsere eigenen kirchlichen Veranstaltungen vor dem Stephansdom abzuhalten. Der Grund gehört der Gemeinde, da können wir nichts verhindern. Ich habe mich aber dafür eingesetzt, dass zumindest unsere ärgsten Kritikpunkte berücksichtigt werden.

Welche Kritikpunkte hatten Sie?

In einem anderen Wahlkampf hat die FPÖ den Dom mit Scheinwerfern blau angestrahlt und die Pummerin eingespielt. Da konnte ich mit dem FP-Bundesgeschäftsführer vereinbaren, dass sie das nicht mehr machen. Aber es ist ein freier Platz, jede Partei kann hier ihre Veranstaltungen durchführen - auch wenn es uns nicht freut. Wir würden uns wünschen, dass der Platz vor dem Dom frei von politischen Veranstaltungen bleibt.

Früher waren die Parteien doch ein Stück weiter, am Stock-im-Eisen-Platz?

Ja, bis vor einigen Jahren war das so. Aber dann hat der zuständige Polizeiinspektor gemeint, wenn die Bühne direkt vor dem Dom steht und der Schall vom Dom wegzieht, würden die Messbesucher weniger gestört. Das war gut gemeint, aber die Optik ist jetzt viel vereinnahmender.

Jetzt hatten Sie das "Nächstenliebe“-Plakat der FPÖ vor dem Stephansdom.

Ja, das ist in der Tat sehr unerquicklich. Es gab auch Leute, die dagegen protestieren wollten, dass die FPÖ vor dem Dom auftritt. Aber ich habe denen gesagt, sie sollen es lassen. Die Wahlkampfzeit, also die Zeit fokussierter Unintelligenz, geht ja vorbei.


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