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Politik | Wolfgang Zwander | aus FALTER 40/13 vom 02.10.2013

Bücher, kurz besprochen

Rückzug ins Bollwerk Nationalstaat

In Deutschland schwelt ein Streit über die Zukunft Europas, der in dieser Qualität in Österreich undenkbar wäre. Den Anfang machte Wolfgang Streeck mit seinem Buch "Gekaufte Zeit“. Darin beschreibt er eindrucksvoll, wie die Europäische Währungsunion die Wettbewerbsfähigkeit von Europas Süden zerstört - und damit die Integration Europas hintertreibt. Streeck empfiehlt Griechen, Spaniern und Co deshalb einen Ausstieg aus dem Euro und eine Rückbesinnung auf eine nationale Währung.

Jürgen Habermas meldete sich daraufhin in den Blättern für deutsche und internationale Politik zu Wort, lobte Streecks Analyse, kritisierte aber seine Schlüsse als "nostalgische Option für den Rückzug in die europäische Kleinstaaterei“. Streeck ließ das nicht auf sich sitzen und veröffentlichte ebenfalls in den Blättern einen Konter. Tenor: Das Europa der "real existierenden Währungsunion“ habe den letztmöglichen Zeitpunkt seiner Demokratisierbarkeit längst verpasst. Die EU-Institutionen hätten der Macht der Märkte zurzeit nichts entgegenzusetzen; das letzte Bollwerk der Demokratie bleibe der Nationalstaat. Wer in Zukunft für ein starkes, demokratisches Europa streiten wolle, müsse sich für die Vorbereitung auf diesen Kampf vorerst wieder ins nationale Bollwerk zurückziehen.

Wolfgang Streeck: Vom DM-Nationalismus zum Euro-Patriotismus? Blätter für deutsche und internationale Politik. Nr. 9/13, € 9,50


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