Ohren auf  Rock aus Österreich

Bitte lach nicht, ich kann halt nur diesen einen Song

Feuilleton | Gerhard Stöger
 | aus FALTER 40/13 vom 02.10.2013

Man möge bitte nicht über ihn lachen, weil er nur den einen Song beherrsche, singt der junge Mann da - und bittet ein "Baby“, ihn einen Gospel zu lehren. Gospel findet sich auf "Warships“, dem prächtig krachigen Debüt von Marta (Zita) keiner, dafür gibt es den einen Song in 13 Ausführungen. Gut so! Hinter dem steirischen Rabiatschlagzeug-Kreischgitarre- und-Lärmgesang-Duo stecken Paul Plut von den Elektropop-Spaßvögeln Viech sowie Günther Paulitsch von den braven Alternative-Rockern Stereoface. Marta hat mit diesen Bands nichts gemein, die Zeichen stehen hier auf Sturm: Rock-’n’-Roll-Minimalismus, Blueserdung, intensiver Zug nach vorne, die Garage als Zuhause und Lieder, denen auch einmal 75 Sekunden Spielzeit genügen.

Der in Wien lebende Oberösterreicher Clemens Engert ist überhaupt als One-Man-Band tätig. Er nennt sich nach einer seltenen neurologischen Störung Alien Hand Syndrom; das von Stefan Deisenberger (Naked Lunch) produzierte "Slumber“ (Gentlemen’s Rec) ist sein zweites Album. Stand das Debüt noch im Zeichen des Gruftigen, erweitert der Sänger und Multiinstrumentalist das Spektrum hier um Alternative Pop und dezidiert unkarges Singer/Songwritertum, wobei eine unkonventionelle Klavierballade ebenso möglich ist wie ein Ausflug in Richtung Ambient und Industrial. Atmosphäre wird durchwegs großgeschrieben, und nicht nur einmal lugen die britischen Weltschmerzpopper Placebo um die Ecke.

Britpop in Spät-90er-Ausfertigung prägt "Talking from the Heart“ (34to7), das mit zehn Songs in 30 Minuten angenehm kompakt gehaltene Album von Stuard, einem Wiener Sänger, den man auch als freundlichen Mann mit Hut an der Tür des Gürtellokals Rhiz kennt. Eingängig und doch nicht ganz handzahm, ist hier der eine oder andere Rockausbruch mit eingebaut, abgefedert durch gezupfte Gitarren und leise Klaviertöne. Und Textzeilen wie "What we want is peace / To live in a free world“ zeigen: Im Herzen ist Stuard ein Hippie ohne Scheu vor der Naivität.


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