Sechs Stunden Shakespeare

Feuilleton | Theaterkritik: Wolfgang Kralicek | aus FALTER 40/13 vom 02.10.2013

Das volle Programm: Andrea Breths "Hamlet“-Marathon mit August Diehl an der Burg

Von den derzeit am Burgtheater engagierten Regisseuren ist Andrea Breth die radikalste. Auf schnöde Sachzwänge wie Verkaufbarkeit oder die letzte U-Bahn nimmt sie keine Rücksicht, ihr geht es nur um die Kunst. Und wenn sie "Hamlet“ inszeniert, dann dauert das halt sechs Stunden. Na und?

Auffälligstes Merkmal dieser Inszenierung ist dann auch ihre Länge. Dass Breth aus dem umfangreichen Text viel weniger als üblich gestrichen hat, muss man als Ansage verstehen: Die Regisseurin möchte es sich (und uns) nicht zu leicht machen. Dazu kommt, dass Shakespeare auf Breths Inszenierungsliste bisher beinahe ein weißer Fleck war; und wenn eine wie sie mit 60 zum ersten Mal "Hamlet“ inszeniert, dann muss es wohl das volle Programm sein.

Wer "Hamlet“ inszenieren möchte, braucht entweder ein sehr gutes Konzept oder einen sehr guten Schauspieler. Für Breth, die nie eine Konzeptregisseurin war, gilt Letzteres.


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