Nüchtern betrachtet 

Wir leben doch alle in Potemkinschen Dörfern

Feuilleton | aus FALTER 40/13 vom 02.10.2013

In Philip K. Dicks "Zeit aus den Fugen“ wird um den Protagonisten, Ragle Gumm, ein Potemkinsches 1950er-Jahre-Suburbia errichtet, damit der weiterhin das Rätsel der Lokalzeitung ausfüllen und so die vom Mond aus gegen die Erde lancierten Raketenangriffe voraussagen kann. Tatsächlich spielt der 1959 veröffentlichte Roman an der Schwelle zum 21. Jahrhundert, und Gumm beginnt erst nach und nach zu dämmern, dass Sein und Schein erheblich differieren.

Tatsächlich ist die Raglegummhaftigkeit der menschlichen Existenz ein nicht zu leugnendes Faktum. Wir alle sitzen in Potemkinschen Dörfern und wundern uns, wenn diese zusammenkrachen. Ginge es zum Beispiel nach den Umfragen in den Redaktionssitzungen des Falter, hätten die Grünen bei den jüngsten Nationalratswahlen ein sowjetisches Ergebnis eingefahren. Auch ich habe diesmal Grün gewählt - hauptsächlich aus Ekel vor der großen Koalition. Eine kurz aufkeimende Koketterie mit den Kommunisten wurde vom KPÖ-Vorsitzenden sofort erstickt,


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