Stadtrand Urbanismuskolumne

Von den guten alten Dingen und Zeiten

Stadtleben | aus FALTER 40/13 vom 02.10.2013

Wie gerne wird geklagt über all die guten Dinge, die die Moderne verdrängt hat, die guten alten Gebräuche von anno dazumal. Selten wird erwähnt, was Bestand hat: der Sonntagsausflug etwa. Wenn man am Wochenende in den Wienerwald geht, um dort einen ruhigen Spaziergang fernab der Stadt zu machen, dann wird man heftig enttäuscht werden: Von ruhig und fernab der Stadt kann kaum die Rede sein - im Gegenteil: Halb Wien, so scheint es, drängt sich dort zum allsonntäglichen Ausflug. Die Wirtshäuser sind brechend voll, das Essen ist schlecht und teuer, aber das ist völlig egal.

Vom Waldeingang bis zum Ziel, dem Wirt, zieht sich eine lange Schlange, wie an der Kassa eines Supermarkts. Und zwar eines Zielpunkt, nicht etwa eines Hofer. Das sonntägliche Naturerlebnis wird zum Massenevent: Hunderte Wiener in Wanderausrüstung schwingen ihre Walkingsticks und atmen angestrengt Frischluft. Oder man kommt gleich mit dem Auto, wie einst, als der Pkw noch die große Errungenschaft war. Wirkt wie eine Zeitreise in die 1950er-Jahre, so ein Sonntagsausflug.

Birgit Wittstock wundert sich über die Wiener Sonntagsausflügler und ihren Hang zum Pkw


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