Tiere

Steuermänner

Falters Zoo | aus FALTER 40/13 vom 02.10.2013

Weintrinker wissen: Nach einem Blick auf das Flaschenetikett weiß man mehr über die Rebsorte als bei der Blindverkostung. Und nach Nationalratswahlen lässt sich das Wählerverhalten tatsächlich viel besser erklären als davor. Deswegen habe ich in dieser Kolumne von Vorhersagen über den Wahlausgang Abstand genommen. Obwohl - ich war informiert: In einer Presseaussendung las ich, dass Österreichs Hundehalter die Regierung für die massiven Erhöhungen der Hundesteuer in den letzten Jahren abstrafen wollten. Österreich ist, so war zu lesen, neben Namibia eines von vier Ländern weltweit, in dem das mittelalterliche Relikt einer "Hundesteuer“ noch existiere.

Seit dem 15. Jahrhundert mussten alle hundehaltenden Untertanen "Hundekorn“ bezahlen und dieses Privileg im Rahmen eines Jagdfrondienstes bei ihrem Lehensherrn abdienen. Wie es sich für alle guten Steuern gehört, gab es auch damals eine Menge Regeln und Ausnahmen: Für Hündinnen war die Abgabe geringer als für Rüden, und für Wachhunde zahlte man nur 50 Prozent. Steuerbefreit waren Jäger, Schäfer (je einen Hund pro Herde), Lotto-Boten, Amts- und Gerichtsdiener, Nachtwächter, Scherenschleifer und andere Gewerbetreibende, die einen Hund für ihre Sicherheit geltend machen konnten. Aber auch hier gab es schnell einmal Reformbedarf, und Kaiser Friedrich Wilhelm III. erließ ein "Edikt über neue Consumptions-Steuern“, das endlich Diener, Pferde und Hunde steuerlich gleichstellte. Schon damals war der Souverän der Ansicht, dass alle, die sich den Luxus eines Kuschelhaustiers leisten konnten, so wohlhabend waren, dass sie noch extra etwas dafür bezahlen können.

Interessanterweise haben Länder wie Frankreich und England, in denen es weitaus mehr Hunde als bei uns gibt, die Hundesteuer bereits vor mindestens 20 Jahren abgeschafft.

Erfahrene Politiker wissen, dass man Wahlen nur dann gewinnt, wenn man die Steuern auf die zentralen Bedürfnisse wie Tabak, Benzin und Alkohol unangetastet lässt. Für ca. 500.000 Menschen in Österreich sind auch Hunde unverzichtbar, und in vielen Bundesländern wurde die Hundesteuer gerade in diesem Wahljahr angehoben.

So, jetzt schauen Sie sich unter diesem Aspekt nochmals das Wahlergebnis an. Den weiteren Verlauf der Koalitionsverhandlungen entnehmen Sie dann bitte dem Gekröse eines frisch geschlachteten Wildschweins.

Peter Iwaniewicz lässt mit seiner Analyse des Wahlergebnisses Politologen wie Peter Filzmaier ziemlich alt aussehen

iwaniewicz@falter.at

zeichnung: püribauer.com


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