Kunst Vernissagen

Der Maler des Fleisches erstmals in Wien

Lexikon | aus FALTER 40/13 vom 02.10.2013

So viel entblößter Hüftspeck ist im Kunsthistorischen Museum sonst nur auf Rubens' Barockgemälden zu sehen. Lucian Freud (1922-2011), dem nun eine große Schau gewidmet wird, machte in den letzten Jahren Schlagzeilen mit Rekordpreisen, die für seine schonungslosen Aktgemälde dicker Modelle bezahlt wurden. Der britische Künstler, der sich auch als Lebemann in Sachen Glücksspiel, ledige Kinder und Schlägereien einen Ruf machte, malte seit seinen Anfängen Porträts und Akte. Gemeinsam mit Francis Bacon wurde er zur School of London of Figurative Art gezählt. Bei der aktuellen Retrospektive soll es wesentlich um Freuds Dialog mit den Alten Meistern gehen.

Der Maler wurde 1922 in Berlin als Enkel des Begründers der Psychoanalyse geboren. Im Jahr 1933 musste die Familie aus NS-Deutschland nach England emigrieren, wo Freud die Kunstakademie besuchte. In seinen endlosen Sitzungen malte er häufig Familienmitglieder, auch immer wieder seine Mutter. Die Porträtierten wenden sich meist vom Betrachter ab, blicken zu Boden oder schlafen, während ihre Körper schutzlos dargestellt werden. Zwischen Männern oder Frauen macht Freud bei seinen pastos und mit breitem Pinselstrich produzierten Gemälden keinen Unterschied. Besonders viel Presse erntete der Verkauf seines Aktes "Benefits Supervisor Sleeping", der für 30 Millionen Euro an den Oligarchen Roman Abramovich versteigert wurde. Aber auch Berühmtheiten standen für Freud Modell: die Models Jerry Hall und Kate Moss ebenso wie die Queen. Parallel zur Malereiausstellung wird im Sigmund-Freud-Museum eine Schau mit Fotoporträts des Künstlers eröffnet, die sein Assistent David Dawson geschossen hat. NS

Kunsthistorisches Museum, Mo 19.00; Sigmund Freud Museum, Di 19.00; beide bis 6.1.


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