Szenisches beim steirischen herbst: bitte keine Angst vor avanciertem Dings!

Steiermark | HERBSTK RI T I K: HERMANN GÖTZ | aus FALTER 40/13 vom 02.10.2013

Zeitgenössische Formen szenischer Kunst müssen schon längst nicht mehr sperrig sein. Nur überdrehte Dramaturgentexte lenken noch davon ab, dass die Grabungsarbeiten im Off-Szene-Bereich immer mehr Lockeres bis Flockiges zutage fördern. So gesehen zu Beginn des steirischen herbst. A Two Dogs Company und Kris Verdonck stürzten sich bei "H, an incident" auf den absurden russischen Humor von Daniil Charms und kreierten einen Abend, dessen nostalgische Ästhetik auch bei La Strada gut aufgehoben wäre: inklusive Maschinentheaterblasmusik. Für eine herbst-Eröffnung dann doch sehr heimelig.

Als Amund Sjølie Sveen seine "Economic Theory for Dummies" präsentierte, kam wirklich Theorie für Dumme -auch als Unterhaltungsformat angenehm niederschwellig. Schließlich erlebte das Festival in seiner ersten Woche doch ein "Happy End": Anne Jurens Tanzperformance gibt sich streng konzeptionell, also sperrig. Gut so! Denn mit "the forest project" von united sorry startete die zweite Woche schon wieder höchst unterhaltsam: Die Outdoorperformance in Peggau von Robert Steijn, Frans Poelstra und ihren oft nackten Tänzerinnen und Tänzern ist nicht nur im besten Sinne des Wortes naiv, sie führt die Darsteller auch in beeindruckender Weise an die körperlichen Grenzen der Naturerfahrung.

Im Kontrast dazu steht Dewey Dells synthetisches Ninjago-Epos "Marzo", das die Coolness eines Mangacomics mit der artistischen Präzision von Martial-Arts-Filmen vereint. Und Antonia Baehr ist einfach sympathisch. Auch wenn sie, wie in "Abecedarium Bestiarium", unspektakulär von ausgestorbenen Tieren erzählt.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige