"Im Wald bin ich verloren"

Der Kabarett ist Andreas Vitásek über das Landleben und sein neues Solo "Sekundenschlaf"

INTERVIEW: WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 40/13 vom 02.10.2013

Der Wiener Andreas Vitásek, 57, ist einer der besten und auch beliebtesten Kabarettisten des Landes. Sein neues, insgesamt zwölftes Soloprogramm "Sekundenschlaf" hat demnächst im Rabenhof Premiere. Das Interview fand am Tag nach der Nationalratswahl statt.

Falter: Ihr Kommentar zur Wahl?

Andreas Vitásek: Es war keine Überraschung. Ich habe getippt und bin fast richtig gelegen - bis auf die Neos, die sind bei mir nicht in den Nationalrat gekommen. Da habe ich mir nicht gedacht, dass das so schnell geht. Aber anscheinend gibt es ein Bedürfnis nach einer neoliberalen Wirtschaftspartei wie dem LIF oder der Steger-FPÖ.

Spielt aktuelle Politik in Ihrem neuen Programm eine Rolle?

Vitásek: Nein, da geht es um globalere Sachen: die Banken, die Sparprogramme und so weiter. Es geht auch um den Verlust der Werte, um Fragen wie: Was ist Moral? Was ist Geld? Das sind so im weiteren Sinn die politischen Themen. Und dann gibt es natürlich die allgemein menschlichen Themen: das Alter, das andere Geschlecht, die Flucht aufs Land. Da gehe ich, wie immer, von mir persönlich aus. Wobei ich die Erfahrung gemacht habe: Was mich betrifft, betrifft andere auch.

Sie haben seit kurzem ein Häuschen im Südburgenland. Warum eigentlich?

Vitásek: Ich will das seit 20 Jahren, weil ich mich einfach in die Gegend verliebt habe. Bisher hat mir nur eine Partnerin gefehlt, die da mitzieht.

Und ist das Landleben jetzt so, wie Sie sich das vorgestellt haben?

Vitásek: Annähernd ja, zumindest gefühlsmäßig. Meine Vision war immer: ganz ruhig wo sitzen und ins Land hineinschauen. Am besten mit einem alten Hund, den ich dabei kraulen kann. Und mit einer netten Frau, die in Rufweite ist. Und diese Vision hat sich ziemlich eins zu eins erfüllt.

Aber Sie sind schon ein echter Wiener, oder?

Vitásek: Ich bin überhaupt ein Großstädter. Mich kannst du in jeder fremden Stadt absetzen, und ich werde in kürzester Zeit das beste Restaurant und die angesagteste Bar finden - ohne Lokalführer. Da habe ich einen Instinkt. Wenn du mich dagegen in einem Mischwald aussetzt, bin ich hoffnungslos verloren. Da muss man mich mit Peilgeräten rausholen. Stadt kenne ich wirklich schon gut, jetzt möchte ich einmal was anderes kennen lernen.

Werden Sie in diesem Programm wieder von einem Besuch beim Kanzlerfest berichten?

Vitásek: Nein, ich war heuer nicht dort. Am selben Abend war nämlich bei mir im Burgenland das Feuerwehrfest - und man muss Prioritäten setzen. So ein Feuerwehrfest ist schon was Wichtiges! Ich habe im Ort übrigens - gemeinsam mit der Konstanze Breitebner und dem Max Schmiedl, die auch dort unten ansässig sind - bei der Eröffnung vom Gemeindezentrum gespielt. Da hab ich auf einmal wieder die Wurzeln von dem Job gespürt: nicht im geschützten Raum Kabarett zu spielen, sondern vor Leuten, die zum Großteil noch nie Livekabarett gesehen haben. Das hat sehr gut funktioniert. Und die Einheimischen wissen jetzt, dass das auch eine Arbeit ist, was ich da mache.

Wofür steht der Titel "Sekundenschlaf"?

Vitásek: Damit ist dieser Zwischenbereich gemeint, in dem ich mich in meinen Programmen eh seit einiger Zeit bewege: zwischen Realität und Surrealität, Traum und Wirklichkeit. Das lässt einfach mehr zu, Traumsequenzen zum Beispiel oder Zeitverschiebungen. Es geht auch darum, dass Zeit keine fixe Größe ist, dass sie stehenbleiben oder verfliegen kann.

Haben Sie einen Regisseur?

Vitásek: Nein, den finde ich schon beim Theater manchmal störend. Und die szenischen Mittel in meinen Soloprogrammen sind inzwischen wirklich schon sehr reduziert.

Wird es mit den Jahren leichter oder schwerer, ein neues Programm zu schreiben?

Vitásek: Weder noch. Wichtig ist, dass man genug Zeit hat. Diesmal bin ich rechtzeitig fertig geworden, weil ich daneben weder Theater gespielt habe noch Drehtermine hatte. Ich glaube, man muss sich auf eine Sache konzentrieren -es gibt ja so was wie Kernkompetenz.

Ist Kabarett auch das, was Sie am liebsten machen?

Vitásek: Na ja, am liebsten machen die Leute ja oft das, was sie nicht können. Ich glaube, dass Kabarett das ist, was ich am besten kann. Und die Illusion, dass man mehrere Sachen gleichzeitig gut können kann, habe ich inzwischen abgelegt. Hamlet oder den Prinzen von Homburg werde ich wahrscheinlich nicht mehr spielen.

Rabenhof, Premiere Di 20.00


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