Katharinas Nachtwache Was in Wiens Partyszene passiert - Veranstaltungen im Überblick

Zu Hause bei Mutter ist es am schönsten

Lexikon | Katharina Seidler | aus FALTER 40/13 vom 02.10.2013

Mit einem Bändchen des Hamburger Reeperbahn Festivals am Handgelenk und Bierflaschen in der Hand sind wir den Kiez auf und ab spaziert, vier Tage lang. Wir haben feine Konzerte von aufstrebenden Bands aus Kanada oder Island gesehen, Journalistenessen und Panels besucht und sind uns die Füße wundgelaufen zwischen Prinzenbar, Großer Freiheit und einer der anderen unglaublichen siebzig Festivallocations. Wie wir von erfahrenen Kollegen allerdings gelernt haben, findet ein heimlicher Höhepunkt des Festivals als allabendlicher Absacker in der Mutter statt. In der kleinen Bar fernab der blinkenden Puff-Leuchtschilder gibt es keine Bühne und man tauscht keine Visitenkarten aus. Es läuft vielleicht ein Album von LCD Soundsystem, und am Nebentisch trinkt Rick McPhail von Tocotronic ein Bier mit der Band Die Heiterkeit. Der Kellner kennt ab dem zweiten Tag unsere Name und stellt uns unsere Lieblingsgetränke hin. Fast wie zu Hause eben.

VORSCHAU

DONNERSTAG (3.10.): Die Stadt ist im Waves-Fieber. Zum Auftakt des Festivals reibt sich etwa Nathan Fake in der Fluc Wanne an den Schnittstellen von lieblichen Harmonien und rauschender Kratz-Elektronik, während die lustigen Elektropopper CSS ins Flex hopsen. In der Grellen Forelle zieht inzwischen Helena Hauff aus dem Umfeld des Hamburger Pudel Clubs festivalunabhängig finstere Technosaiten zwischen Wave und Electronica auf, und im B72 präsentiert das Hip-Hop-Label Duzz Down San neue Releases.

FREITAG: Die Waves-Partynacht könnte man ab 21 Uhr mit einer Fahrt um den Ring in der Technostraßenbahn beginnen. Später bespielt der britische Bassmusiker Skream mit Local Heroes wie The Clonious die Pratersauna, der französische Newcomer Dream Koala malt filigrane Dream-Wave-Wolken in der Galerie Viktor Bucher, und Roosevelt aus Köln kredenzt in der Fluc Wanne pastellfarbenen Synthiepop. Im Phil feiert FM4 die Gewinner des Wortlaut-Literaturwettbewerbes, und Tin Man verknüpft zum Relaunch des Celeste poppige Vocals mit der Deepness von House, während Philipp Quehenberger den zweiten Floor auseinandernimmt.

SAMSTAG: Der amerikanische Multiinstrumentalist James Pants trommelt, bounct und glitcht im Café Leopold, und beim Waves gibt es in der Fluc Wanne feinen Elektropop der Schwedin Kate Boy oder feingliedrigen Post-Bassund Chill-Wave-Pop von Mmoths im wunderschönen Odeon Theater zu entdecken. seidler@falter.at

Katharina Seidler ist Musikjournalistin und Mitarbeiterin von FM4. Sie prüft die Beats und Partys der Wiener Clubszene


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