Filmklassiker mit Hilde Knef und Danny Kaye: Vorschau aufs Jüdische Filmfestival

MICHAEL OMASTA | aus FALTER 40/13 vom 02.10.2013

Berlin hat eines, San Francisco auch, Washington natürlich, Toronto, seit kurzem sogar Genf. Kaum ein anderes Jüdisches Filmfestival aber besitzt international ein solches Renommee wie das in Wien.

Für das diesjährige Programm haben Monika und Frédéric-Gérard Kaczek besonders sorgfältig in der Filmgeschichte gegraben. Mit "Jacobowsky und der Oberst" wird an den 100. Geburtstag des großen Komikers Danny Kaye erinnert. Die Doku "Carl Djerassi. Wiens verlorener Sohn" würdigt den Chemiker und Autor, der anlässlich seines 90. Geburtstags auch seine Autobiografie vorstellt. Und des 70. Jahrestags des Aufstands im Warschauer Ghetto wird mit Filmen von Andrzej Wajda sowie Jolanta Dylewskas berühmtem Interviewfilm mit Marek Edelman, einem der Anführer des Widerstands, gedacht.

Von den neuen Produktionen, die beim Jüdischen Filmfestival ihre Österreichpremiere erleben, sei an dieser Stelle exemplarisch "Der deutsche Freund" mit Max Riemelt und Celeste Cid empfohlen. Die deutsch-argentinische Filmemacherin Jeanine Meerapfel erzählt darin eine Liebesgeschichte unter Emigranten im Buenos Aires der 1950er, deren Familien aus ganz unterschiedlichen Gründen aus Deutschland geflohen sind. Der thematische Schwerpunkt des Festivals steht unter dem Motto: "Das andere Leben -gleich danach" und versammelt deutschsprachige Filme aus der unmittelbaren Nachkriegszeit, die sich mit dem Nationalsozialismus und seinen Folgen beschäftigen. Dazu zählt neben Wolfgang Staudtes legendärem Berliner Film noir "Die Mörder sind unter uns"(1946, mit der jungen Hildegard Knef) auch die eine oder andere österreichische Produktion.

"Das andere Leben", 1948 vom kurzlebigen Filmstudio des Theaters in der Josefstadt unter der Leitung von Rudolf Steinboeck produziert, hat das Zeug zum Klassiker. Frei nach Alexander Lernet-Holenias "Der 20. Juli" erzählt der Film von einer jungen Frau (Aglaja Schmid), die ihrem Offiziersgatten zum Trotz an der Freundschaft zu einer Jüdin festhält und, als diese stirbt, deren Leben im Verborgenen annehmen muss.

Votiv und De France, 2. bis 17.10. Information: www.jfw.at


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