Nachrichten aus dem Inneren

Die Redaktion erklärt sich selbst

Falter & Meinung | aus FALTER 41/13 vom 09.10.2013

Es ist ja fast schon ein bisschen schick geworden, als Journalist keine eigene Meinung zu entwickeln, sondern einfach das Gegenteil von dem zu behaupten, was Anstand und Sitte in unserem zivilisierten Land so gebieten.

Zu dieser Trotzhaltung gesellt sich die Pose, jene, die anders denken, als fehlgeleitete Ideologen zu outen oder einem "juste milieu“ oder gar einer Blase zuzuschreiben.

Dieses merkwürdige Sozialverhalten wird nach dem Altchefredakteur der Presse auch gerne "Fleischhackerismus“ genannt. In einer schlimmen Form kann er sich in die Unterbergeritis auswachsen. Dann sieht man nur noch naive, linkslinke Gutmenschen und bejubelt den Tod von Einbrechern.

Wir vom Falter sind vor solchen Versuchungen gefeit. Anstatt eine rotblaue Koalition zu verharmlosen, wie es diese Woche das Wien-Ressort eines deutschen Wochenblattes tat, haben wir uns aufs Recherchieren und Diskutieren der Wiener Weltlage konzentriert.

Kollege Werner A. Perger erklärt, warum die Sozialdemokratie gerade nicht mit den Rechten koalieren sollte. Unsere Reporterin Sibylle Hamann analysiert (gemeinsam mit Ruth Eisenreich und Konstantin Vlasich), wieso junge Männer vor allem blau wählen und Armin Thurnher kommentiert den Tod Jörg Haiders, der sich zum fünften Mal jährt.

Vielleicht ist Ihnen unser Blatt nun zu langweilig. Vielleicht hätte ein Appell für eine mögliche Strache/Faymann-Koalition mehr Sexappeal. Aber im Zweifel sind wir dann doch lieber keusch. RED


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