Fall Josefstadt: die erste Suspendierung

Politik | Nachfrage: Florian Klenk | aus FALTER 41/13 vom 09.10.2013

Wiens größtes Gefängnis kommt nicht zur Ruhe. Wieder sollen Beamte kriminell gewesen sein

Am Montag hatte er "die Schlüssel abzugeben“, wie es nüchtern heißt. Der Justizwachebeamte Franz L. (Name geändert) musste seine Dienstwaffe ablegen und darf die Justizanstalt Josefstadt nicht mehr betreten. Ein Häftling hatte ihn verpfiffen.

Der Grund für die Suspendierung: Der Beamte gab zu, für Insassen Handys in die Zellen geschmuggelt zu haben. Er soll dafür ordentlich kassiert haben.

Wiens größtes Gefängnis kommt nicht und nicht zur Ruhe. Nachdem der Falter im Frühjahr über sexuelle Übergriffe des freiheitlichen Personalgewerkschafters Christian Lausch gegenüber zwei ihm untergeordneten Beamtinnen berichtete (eine Tat, die vom Justizministerium nicht geahndet wurde), gelangen fast wöchentlich Skandale an die Öffentlichkeit.

So soll, wie Beamtinnen zu Protokoll gaben, eine Gruppe von Justizwachebeamten weibliche Insassinnen mit Kokain versorgt haben - und im Gegenzug sexuelle Dienstleistungen im Verwaltungstrakt gefordert haben. Ende Juni deckte der Falter schließlich auf, dass ein 14-jähriger Häftling von einem Insassen mit einem Besenstiel vergewaltigt worden war. Eine Jugendrichterin schlug Alarm. Zuerst wiegelte ÖVP-Justizministerin Beatrix Karl ab ("Strafvollzug ist kein Paradies“), dann setzte sie eine Expertenkommission ein.

Nun debattieren Jugendexperten über mögliche Alternativen zur U-Haft. Justizvertreter wünschen sich geschlossene Jugendheime zurück, damit Sozialarbeiter Kontakt zu gefährdeten Kids aufbauen können. Die Jugendämter lehnen diesen Vorstoß ab.


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