Mediaforschung  

Sind die Wiener Linien nun auch die Sittenpolizei, Herr Lang?

Verführungskolumne

Medien | Wolfgang Zwander | aus FALTER 41/13 vom 09.10.2013

Ordnung zählt in Wien zur obersten Bürgerpflicht. Das gilt gerade auch im Bus und in der Straßen- und U-Bahn. Die Wiener Linien initiierten deshalb jüngst eine "Rücksicht hat Vorrang“-Kampagne. Answer Lang, Kommunikationschef der Wiener Linien, sagt: "Unsere regelmäßigen Kundenbefragungen haben ergeben, dass es bei unseren Fahrgästen großen Ärger darüber gibt, wenn in den Öffis oder den Stationen gegen die Regeln eines respektvollen Miteinanders verstoßen wird. Deshalb streben wir nun eine Sensibilisierung an.“

Folgende Verstöße gegen die "gute Ordnung“ würden am meisten stören: lautes Musikhören, Essen von stark riechenden Speisen, Mist, lautes Telefonieren und Hunde ohne Beißkorb.

Selig eine Stadt, in deren U-Bahn es keine größeren Probleme gibt, könnte man nun sagen; wer etwa in den Stationen der Metro in Rom einen funktionierenden Fahrscheinautomaten finden will oder wer in London umgerechnet fünf Euro für eine einfache Fahrt blechen muss, wird sich schnell nach Wien zurückwünschen.

Aber Wien ist eben Wien, und Ordnung hat hier Ordnung zu sein. Und um diese aufrechtzuerhalten, wurden Sujets entworfen, Ansagen eingespielt und Videos gedreht, mit denen in den Stationen und auch im Internet für mehr Rücksicht geworben wird. In einem der Videos ist etwa eine junge Frau zu sehen, die ihren Hund zu sich ins Bett holt und mit diesem, Zunge an Zunge, an einem Hundeleckerli knabbert. Am Ende des Clips erscheint der Schriftzug: "Mach, was du willst. Aber bitte nicht in den Wiener Linien.“


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