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Mäcktest du noch Salat, Meerschweißchen?!

Diesmal: die beste Comedy-Bühne der Welt der Woche

Feuilleton | Klaus Nüchtern | aus FALTER 41/13 vom 09.10.2013

Nie kann man das Gartenbaukino abseits der Viennale so gut gefüllt erleben wie dann, wenn gar keine Filme gezeigt werden: Im April eröffnete der britische Komiker Eddie Izzard die neue Veranstaltungsschiene und füllte an einem Abend den Saal gleich zweimal, am Dienstag vergangener Woche war dann dessen irischer Kollege Dylan Moran zu Gast.

Der Besuch eines dieser Abende ist schon aus demografischen Gründen interessant: Man kriegt plötzlich mit, wie viele englische Muttersprachler in Wien wohnen. Sie machen circa 74 Prozent des Publikums aus, die restlichen 26 entfallen auf TV-Nerds, die Moran aus der saukomischen Serie "Black Books“ kennen.

Um sich nicht nur an Leute wie Izzard, Moran & Co zu halten, die auch abseits ihrer Heimat echte Superstars sind, haben die Gartenbauer auch ein Casting für Stand-up-Comedians veranstaltet, und Patrick Lamb aus Sheffield hat seine Sache als Einheizer ziemlich gut gemacht (sein Programm "Tao of Beer“ ist am 16. und 23.10. im Aera zu sehen).

Als quasi Unbekannter vor 736 Zusehern aufzutreten, die auf jemand anderen warten, muss man auch erst einmal bringen. Absolut der Bringer war dann Dylan Moran. Wie im Falter-Interview versprochen, drehte er, freudig und auf Deutsch radebrechend, nationale Stereotype durch den Wolf, tat dies aber auf so intelligente, alerte und charmante Art, dass es eine Freude war. Moran erwies sich als bestens gebrieft, befasste sich mit Jugendstil, zitierte en passant Wittgenstein, kannte Peter Altenberg, ließ sich spontan auf Debatten über Mak versus MQ ein.

Die Frage des Abends aber lautete: Wie können Menschen, die in Kultur schwimmen und denen es dermaßen gut geht, bloß einen solchen Koffer wählen? Moran sprach ihn übrigens "Hazi“ aus.


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