Eine kleine Nachtmusik: Trio in SS-Dur

Feuilleton | Theaterkritik: Wolfgang Kralicek | aus FALTER 41/13 vom 09.10.2013

Das Schauspielhaus eröffnet die Saison mit einer streng komponierten Bühnenversion des Nazi-Romans "Die Wohlgesinnten“

Das Skandalon an Jonathan Littells Roman "Die Wohlgesinnten“ (2006) ist die Ich-Form. Der Autor erzählt den Holocaust aus der Perspektive eines Täters. Maximilian Aue, der Held des Wälzers, wohnte als hochrangiger SS-Offizier Massenerschießungen in der Ukraine und im Kaukasus bei, er war in Auschwitz und in Stalingrad, er kannte Himmler und Eichmann, Höß und Heydrich persönlich.

Der 1350 Seiten starke Roman ist eine lange Litanei des Bösen. Für seine dreieinhalbstündige Bühnenversion im Schauspielhaus hat der italienische Regisseur Antonio Latella das Buch zusammen mit dem Dramaturgen Federico Bellini in eine strenge Sonate für drei Schauspieler und einen Sänger (Maurizio Rippa) transponiert.

Das Bühnenbild (Ralf Hoedt, Moira Zoitl) besteht aus zwei Pianinos und 20 Klavierhockern, und immer wieder wird die Szene von treibender Klaviermusik (Franco Visioli)


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