Selbstversuch

Gute Nacht, habtses alle noch nett!

Kolumnen | Doris Knecht   | aus FALTER 41/13 vom 09.10.2013

Doris Knecht hat die Weltformel gefunden

Endlich die Weltformel gefunden. Sie lautet wie folgt: vor Mitternacht ins Bett. Jetzt außer natürlich, man arbeitet nachts. Wenn man nicht arbeitet: immer vor Mitternacht ins Bett. Konsequent vor zwölf verschwinden, egal wo man gerade ist. Abgang machen, polnisch oder anders, Hauptsache vor Mitternacht. Das Einzige, was man verpasst: mehr Alkohol. Und ein paar eh nette Gespräche, an die man sich anderntags allerdings kaum noch erinnern kann. Und ein paar Sätze, die man dann definitiv lieber nicht gesagt hätte. Und den Rotweinfleck auf der schönen Vintage-Seidenbluse, die man erst letzte Woche ersteigert hat. Und dass die hohen Hacken zum Sicherheitsrisiko werden. Und den Monolog von dem einen (es gibt immer einen), der mit seiner Punkt- und-Beistrich-losen-Ansprache das Stammlokal oder den Backstageraum vom Rabenhof ausbetoniert, ohne eine einzige Luftblase. Und die 40 Tschick, die du zwar nicht selber, aber trotzdem rauchst. Und natürlich die Schnäpse, die zuverlässig irgendwann irgendeiner vor dich hinstellt, ein Mitgefangener oder der Wirt oder der Kellner, und die man, aus Gründen der Höflichkeit und des Klimaschutzes, natürlich nicht verderben lassen kann und die anderntags um ein Mehrfaches den Kater multiplizieren, der krank macht und arbeitsunfähig und ein mörder Schädelweh, das einen grantig sein lässt zu Kindern und Gespons und Kollegen. Und die Frau ist auf einen sauer, weil man brutal aus der Goschn fäult, das macht auch nicht froher. Ausreichend Schlaf dagegen ... Es gibt im Jahr höchstens einen Abend, an dem es einen Sinn hat, länger als bis Mitternacht zu verweilen. An allen anderen: Gute Nacht, habtses noch nett.

Das war die Weltformel, vielen Dank.

Es existieren dann noch ein paar Ergänzungsnebenformeln, die das Leben optimieren oder zumindest massiv erleichtern. Erstens: Frühstück, Mittagessen, Abendessen. Zweitens: dazwischen nichts als Tee. Drittens: nicht schreien, nicht schnauzen; lieb sein. Viertens: Hass ist eine Avocado. Fünftens: Avocados schält man nicht, weder mit dem Messer, noch mit dem Sparschäler, Avocados halbiert man und höhlt sie mit einem großen Löffel aus. Sechstens: Das hätte man auch schon früher schnallen können, bevor man im Laufe des Lebens Aberdutzende Avocados beim Schälen zerquetscht, ruiniert, verschwendet hat, aber. Siebtens: Manche Dinge, manchmal auch ganz unspektakuläre, schnallt man erst im Laufe des Lebens. Achtens: Einen Erwachsenen ändern zu wollen, hat nur dann einen Sinn, wenn man selbst dieser Erwachsene ist, sonst nichts wie Ärger und Frustration. Neuntens: Bei Fleisch und Sushi macht billig oder teuer einen Unterschied. Zehntens: Man kann nicht alles haben. Elftens: Musik hilft, und wenn sie nicht mehr hilft, ist es okay, sich von anderen helfen zu lassen. Zwölftens: Tagsüber eher flache Schuhe. Dreizehntens: Diese Liste könnte man endlos fortsetzen. Vierzehntens: Es ist immer ein Zimmer zu wenig.


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