Menschen

Festivalherbst

Falters Zoo | aus FALTER 41/13 vom 09.10.2013

Ja, ja, schon klar: Es ist noch nicht Herbst.Das ekelige Nasskalt da draußen ist nur der "Altweibersommer“. Aber der Festivalherbst hat trotzdem schon begonnen - mit Waves zum Beispiel oder der Vienna Design Week, die auch heuer wieder eine Zehn-Tage-Woche war. Und was für eine! Und so schwärmten Hundertschaften von Designliebhabern, bewaffnet mit dem roten Festival-Reiseführer, aus, um die Stadt und das Design zu entdecken. Tatsächlich ist es wohl so, dass mittlerweile ein regelrechter Designweek-Tourismus stattfindet; die Menschen also wegen der Designweeks Städte bereisen und dabei andere Ecken kennenlernen als immer nur Schlösser und botanische Gärten. So gesehen war die Festivalzentrale in einer alten Schule in Funkhausnähe wirklich ein besonderer Ort. Do it yourself war auch ein großes Thema: Irgendwie wollen die Leute wohl gerne selbst etwas schaffen. Gratulation jedenfalls an die beiden Oberhäupter der Designwoche: die fortwährend präsenten Tulga Beyerle und Lilli Hollein. Und Glückwunsch auch an Antoinette Bader. Die junge Designerin ist Gewinnerin des "Rado Star Prize 2013“.

Was war denn da nachts los? Keine Demo und auch keine Skate-Night. Der Vienna Night Run brachte letzte Woche die Leute auf die Straße und - ein paar zumindest - ins Schwitzen. Man lief für den guten Zweck, die von Chris Lohner unterstützte Aktion Licht für die Welt. So wie Servus-Mann Thomas Rottenberg. Der wollte es nach dem Berlin Marathon eigentlich ruhig angehen und lief mit dem schwer sehbehinderten Schüler Patrick Bitzinger. Was Rottenberg unterschätzt hat: Bitzinger lief ihm regelrecht davon. Nach nur 24 Minuten erreichten sie das Ziel, was echt schnell ist.

Dann war da noch Waves. Begonnen hatte alles noch ganz harmlos mit der supergeheimen Eröffnungsparty. Ab da ging es dann allerdings schnell abwärts, denn bei so einem Clubfestival heißt es, ein dichtes Programm zu absolvieren, das am Donnerstag im atmosphärischen Odeon mit Frida Hyvönen und Au Revoir Simone einen tollen Anfang nahm. Im Flex spielten als Gegenprogramm die Nullerjahre-Lieblinge CSS mit brasilianischem Popspaß gegen die saukalte Herbstnacht an. Freitag durften dann ältere Besucher ein wenig in Nostalgie schwelgen: Slut gibt es noch immer, solide war das, aber doch schon ein bisschen over. Weiter ging’s ins Fluc, wo Bernhard Kern und Thomas Spitzer, die bezaubernden Betreiber des Siluh Labels, eine krachende Party steigen ließen und Newcomer Mozes and the Firstborn rund um Melle Dielesen wahrscheinlich die Entdeckung des Jahres waren. Wer noch stehen konnte, fand sicher den Weg in die Pratersauna zum heimischen Superstar Cid Rim; wir sind einfach ins Bett abgebogen, um für den Samstag noch halbwegs fit zu sein. Der letzte Festivalabend nahm gleich einen tollen Anfang am Clubschiff, wo wir zufällig über die sehr suprigen New Wave Syria gestolpert sind, während der in Wien lebende Engländer SOHN im Odeon seinen Ruf als Festival-Highlight bestätigte. Unzählige Abschlusspartys verleiteten dann zu noch mehr Schlafmangel, ein großer Spaß also. Fürs Erste ist jetzt aber einmal Schluss. Bis zur Viennale!

Barbara Fuchs, Ingrid Brodnig, Christopher Wurmdobler

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


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