Film Neu im Kino

"Omsch": Aus dem fernen Land des hohen Alters

Lexikon | Joachim Schätz | aus FALTER 41/13 vom 09.10.2013

Das hat schon die Omsch gesagt, wirst du einmal sagen", prophezeit die Alte ihrem Gegenüber hinter der Kamera. "Du wirst nicht die Absicht gehabt haben, an mich zu denken, aber es kommt." Edgar Honetschlägers Doku "Omsch" ist der Versuch, eine geliebte Person nicht einfach dem unwillkürlichen Erinnern zu überantworten.

Omsch, vulgo Pauline Schürz, ist keine Blutsverwandte, sondern die 56 Jahre ältere Wohnungsnachbarin und enge Freundin des Künstlers und Filmemachers. Das herzliche, aber nicht reibungsfreie Beisammensein der beiden während der letzten neun Jahre ihres Lebens zeigt Honetschläger in Videoaufnahmen, die oft nebenher entstanden zu sein scheinen: statische Bilder, in denen Omsch den Platz hat, mal vorn am Objektiv, mal tief im Raum zu stehen.

Schürz, die drei Ehemänner überlebt hat, weiß noch mit 100 Jahren schlagfertig über den Papst zu schimpfen und erklärt die Jahre ab dem 80er zu den schönsten ihres Lebens. Honetschlägers "Plädoyer für das hohe Alter" (so ein geplanter, verworfener Filmuntertitel) verzeichnet aber genauso ihr gelegentliches Verzagen am Schwinden der Kräfte.

Gegen das niedliche Klischee des unverblümten Mutterls verwehrt sich auch der poetisch präzise Briefverkehr, den Omsch während Honetschlägers Aufenthalten in Japan und Amerika mit ihm unterhält. Diese Außenwelt kommt in Schmalfilmaufnahmen ins Bild, deren körnige Textur neben dem Videomaterial aus der Neulinggasse doppelt fern anmutet. Wie die Musik Morton Feldmans unterstreichen sie die melancholische Tiefe dieses vermeintlich bescheiden dimensionierten Films.

Ab Fr im Stadtkino im Künstlerhaus


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